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(1926-1964)
Als man vom Inneren des Friedhofes her das Lied vom guten Kameraden und das Hoferlied hört, knien alle nieder. Es ist wie ein Gebet vor der Schlacht, wie ein Gemälde aus dem Jahre 1809. So müssen die heute als Helden verehrten Ahnen dieser Bauern ausgesehen haben, wieder erweckt in den harten, trotzigen und doch gläubigen Zügen der Bauern aus dem Burggrafenamt, aus dem Passeier- und Sarntal. Wehe, wenn dieser Sturm losbricht. Demgegenüber stehen die Karabinieri - schweißgebadet, wachsbleich, zum Zerreißen gespannt. Ein Funke - und die Menge würde sie wie die Fliegen an der Wand zerquetschen.
So schildert ein Augenzeuge seine Eindrücke von der Beerdigung des Luis Amplatz am 10. September 1964 auf dem Friedhof Oberau in Bozen. Abertausende Südtiroler geben dem todesmutigen Schützenoffizier letztes Geleit. Drei Tage zuvor ist er einem Meuchelmörder zum Opfer gefallen, den die italienische Besatzungsmacht gedungen hatte. Die Schüsse fallen auf der Brunneralm hoch über Saltaus im Passeiertal. Amplatz wird tödlich getroffen, sein schwerverletzter Kamerad Georg Klotz entkommt den ihm nachsetzenden Häschern. Das Attentat ist ein grausamer Schlag der fremden Machthaber gegen die Führung der Südtiroler Untergrundbewegung.
Luis Amplatz wird am 28. August 1926 als eines von insgesamt acht Kindern eines armen Wein- und Obstbauern in Gries/Bozen geboren. Der Vater zeichnet sich im Ersten Weltkrieg als tapferer k.u.k. Kaiserjäger aus, vor allem im Kampf gegen die Italiener. Zur Faschistenzeit läßt er Sohn Luis die Katakombenschule besuchen. Dort lehrt man - verborgen vor den Augen der welschen Besatzer - Deutsch und Deutschtum. Kaum 16 Jahre alt, rebelliert Luis gegen die Willkürherrschaft der Fremden. Die Karabinieri holen ihn von der Feldarbeit weg und werfen ihn für zwei Monate in den Kerker.
1939 optiert die Familie Amplatz für Deutschland, 1944 meldet sich Luis als Soldat zu den deutschen Fahnen. Bei Kriegsende gerät er in US-amerikanische Gefangenschaft.
Er ist es, der am 17. November 1957 bei der historischen Südtiroler Freiheitskundgebung auf Schloß Sigmundskron unter dem Jubel der 35 000 Verschworenen die weißrote Tiroler Landesfahne hißt.
Luis Amplatz macht führend mit, als im Juni 1961, in der Herz-Jesu-Nacht, das Fanal zum militanten Widerstandskampf gegeben wird. Alle friedlichen Mittel haben versagt. Jetzt soll radikaler gegen die drohende endgültige Überfremdung des seit dreizehn Jahrhunderten deutschen Südtirol vorgegangen werden.
Für rund 140 Sprengungen und weitere aufsehenerregende Propaganda-Aktionen ist Luis Amplatz verantwortlich. Streng achtet er darauf, daß das Leben anderer Menschen nicht in Gefahr gerät. Am 16. Juli 1964 wird er beim Mailänder Schauprozeß in Abwesenheit zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Immer wieder gelingt es ihm, seinen Verfolgern zu entgehen. Erich Kern berichtet:
»Er kennt in seiner Heimat jeden Weg und Steg und ist verwegen bis zur Tollkühnheit. Im Juni 1962 wird er mit seinem Freund Kofier im Wald von vier Karabinieri gestellt. Die beiden behaupten, nach Pilzen zu suchen, und während die Karabinieri noch überlegen, springen die beiden in den Abgrund und sind verschwunden. Als er 1963 im Ahrntal von Karabinieri kontrolliert wird, antwortet er im fließenden neapolitanischen Dialekt, schimpft weidlich über die Südtiroler Dickschädel, die einen Italiener nichts verdienen ließen, und rührt die Karabinieri so sehr, daß sie ihm noch Zigaretten schenken. Im August 1963 wird Amplatz bei Bozen neuerlich umstellt. Sein Freund Kofier fällt in die Hände der Italiener. Die Karabinieri jagen Amplatz mit hundert Mann, mit Dutzenden Hunden und Hubschraubern.«
Dem tollkühnen Freiheitskämpfer wird schließlich ein in die Reihen der Untergrundbewegung eingeschleuster Spitzel zum Verhängnis. Der feuert am 7. September 1964 die Salve auf die schlafenden Kameraden Amplatz und Klotz.
Luis Amplatz, Vater von vier Kindern (ein Sohn heißt Andreas, nach Andreas Hofer), fällt nicht umsonst: Sein Kampf und Märtyrertod tragen wesentlich zum deutschen Selbstbehauptungswillen im Land an Etsch und Eisack bei. Auf seinem Grabe steht das von ihm gewählte Leitwort:
»Freund, der du die Sonne noch schaust, grüß mir die Heimat, die ich mehr als mein Leben geliebt.« |
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