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LUISE VON PREUSSEN

 
     
  (1776 -1810)

Deutschland ist mir das Heiligste, das ich kenne! Deutschland ist meine Seele! Mein Halt! Mein Alles ist Deutschland! Es ist, was ich bin und haben muß, um glücklich zu sein. Das Schöne in den Augen der Kinder ist doch Deutschland, es ist die Treue, die Ehrlichkeit, der Fleiß der stillen Tat. Die Anständigkeit, der Ruhepunkt im ziellosen Herumsuchen. Deutschland ist das, was mich gut macht. Die alten, verträumten Schlösser, die lieben, windschie-" fen Häuser, die hochgiebeligen Städte, unser Hausrat, die Spinnwinkel, die moosigen, klappernden Mühlen, die Sägen, der Christbaum, der Pfefferkuchen, das Fest, der Winter da draußen, die Schlittenschellen, die so segnend hereinklingen, dies alles ist Deutschland! Unsere Liebe ist deutsch, unser Zusammenhaltenmüssen, unser Aneinandergebun-densein! Wenn Deutschland stirbt, dann sterbe auch ich!

Das »Bekenntnis einer schönen Seele« der Königin Luise von Preußen. Kaum eine andere deutsche Monarchin ist vom Volk so verehrt, ja geliebt worden wie sie. Ihr Mut vor dem Imperatorenthrone und ihr mit Würde getragenes schweres Los lassen ihren Namen auf ewig als ein Symbol des Kampfes für die deutsche Sache leuchten.

Luise wird am 10. März 1776 als Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz in Hannover geboren. Am Heiligen Abend des Jahres 1793 findet die Vermählung des lebenslustigen Prinzeßchens, genannt »Jungfer Husch«, mit dem preußischen Thronfolger und nachmaligen König Friedrich Wilhelm III. statt.

Mit ihrer Anmut und Schönheit, ihrem warmherzigen Charakter erobert sie das Volk im Sturme. Nach der Thronbesteigung des Gemahles, 1797, wird sie zur fürsorglichen Landesmutter, die auch gegen Etikette und Hofzeremoniell die Nähe der »einfachen Leute« sucht. Die meiste Zeit verbringt sie mit dem König im schlichten Landhaus Paretz bei Potsdam. Sie führt ein selten bescheidenes, vorbildlich-harmonisches Hof-und Familienleben. Die königliche Ehe wird mit 10 Kindern gesegnet, unter ihnen die nachmaligen Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. (ab 1871 Deutscher Kaiser) sowie die spätere Kaiserin von Rußland, Charlotte.

Schon 1805 drängt die Königin zum Bündnis mit Rußland, um den unheimlichen Korsen zur Räson zu bringen. Nach 1806 stachelt sie ihren Gemahl zum Widerstand gegen Napoleon an. Hellsichtig erkennt sie: »Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen.« Weshalb sie die preußischen Reformer um Stein und Hardenberg unterstützt.

Nach der Niederlage von Auerstedt - sie hat ihren Mann in den Krieg begleitet - muß sie sich mit den Kindern auf eine lebensgefährliche Flucht begeben. Der Weg führt nach Berlin, nach Schwedt an der Oder, dann immer weiter durch West- und Ostpreußen, schwerkrank, mitten im ärgsten Winter über die Kurische Nehrung bis nach Memel. Napoleon ist der von ihm gehaßten Königin dicht auf den Fersen. »Wir stehen in Gottes Hand und gehen mit Ehren unter«, schreibt sie im Augenblick höchster Gefahr an den Vater.

»Um Gottes willen keinen schändlichen Frieden!« redet sie ihrem Gemahl zu. Am 6. Juli 1807 wagt sie in Tilsit, dem Furchtbaren direkt entgegenzutreten, um auf einen anständigen, ehrenvollen Friedensschluß zu dringen. Das einstündige Treffen mit Napoleon verläuft ergebnislos. Der Gnadenlose diktiert Preußen einen grausamen Knebelungsvertrag.

Von der Bevölkerung jubelnd begrüßt, kehrt Luise 1809 nach Berlin zurück. Kurz vor ihrem Tode nimmt sie noch einmal politischen Einfluß, indem sie die Berufung des genialen Hardenberg zum Staatskanzler unterstützt.

Luise ist es nicht mehr vergönnt, die Befreiung Preußens und des gesamten deutschen Vaterlandes zu erleben. Am 19. Juli 1810 erliegt sie 34jährig auf Schloß Hohenzieritz zu Mecklenburg einer fieberhaften Lungenentzündung. Tiefe Trauer erfaßt Preußen und das deutsche Volk.

Ihr königlicher Gemahl verleiht ihr zu Beginn der Befreiungskriege posthum das soeben geschaffene Eiserne Kreuz, Schinkel erbaut ihr wunderbares Mausoleum im Schloßpark zu Charlottenburg, und Theodor Körner besingt die große Königin mit den Worten:

»Du schläfst so sanft! - Die stillen Züge hauchen/ noch deines Lebens schöne Träume wieder;/ der Schlummer nur senkt seine Flügel nieder,/ und heil’ger Friede schließt die klaren Augen. / Kommt dann der Tag der Freiheit und der Rache,/ dann ruft dein Volk; dann, deutsche Frau, erwache,/ ein guter Engel für die gute Sache.«
 
 

 

 

 
 
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