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HERMANN BALK

 
     
  (+ 1239)

Auf der Weichsel fährt mit schweren Ruderschlägen ein Boot stromauf. 1 Sumpf und Urwald säumen die Ufer des Flusses; kein Deich bändigt seine Gewalt Hochaufgerichtet steht am Heck des Schiffes ein Ritter im weißen Ordensmantel mit dem schwarzen Kreuz und späht nach dem Ufer im Osten, das langsam vorüberzieht. Hermann Balk ist es, ein Landmeister des Deutschritterordens, aus Westfalen gebürtig. Der Hochmeister hat ihn ausgesandt, damit er als erster mit einer auserlesenen Schar auf dem rechten Weichselufer im wilden Preußenlande Fuß fasse. Jetzt gibt er dem Steuermann ein Zeichen. Der Wald tritt am Ufer zurück, eine weite Lichtung dehnt sich, in ihrer Mitte steigt ein Hügel empor, und seine Kuppe krönt eine uralte, mächtige Eiche. Solch eine Stelle hat Hermann Balk gesucht. Das Boot stößt an Land, und mit starkem Satze springt der Landmeister als erster Deutscher auf den Boden des Preußenlandes.

So hat man einst der deutschen Jugend über die wagemutige Pionierleistung des Hermann Balk und seiner Mannen erzählt.

Wir schreiben das Jahr 1230, als sich der einer märkisch-niedersächsischen Familie entstammende Balk auf den Weg nach Ostland macht. Hochmeister Hermann von Salza ernennt ihn zum ersten Landmeister des Deutschen Ordens. Mit der Goldenen Bulle von Rimini hat Kaiser Friedrich IL dem Ordenshochmeister die Ermächtigung erteilt, die heidnischen Pruzzen (sprich: Prußen) im nachmaligen Ostpreußen zu unterwerfen. Auch bestätigt der Kaiser den Ordensrittern die Schenkung des Kulmer Landes durch Herzog Konrad von Masowien. Der Orden erhält das Recht auf alles preußische Land, das er erwirbt. Der Hochmeister wird einem deutschen Reichsfürsten gleichgestellt. Das Land Preußen kommt »unter die Monarchie des Römischen Imperiums«, wird Teil des ersten Reiches der Deutschen.

Als ersten Stützpunkt gründet Hermann Balk die Burg Vogelsang. Todesverachtend geht er seinen Männern im Kampf gegen die Altpreußen voran, die sich mutig zur Wehr setzen. Die tapferen Pruzzen müssen sich nach langem Kräftemessen unterwerfen. Sie bringen ihr Erbgut ein in den deutschpreußischen Menschenschlag.

Landmeister Balk legt den Grundstein des Deutschordensstaates. Dessen schirmender Schild schützt das Abendland fortan vor Bedrohungen aus dem Osten. Balk gründet Thorn, Kulm, Marienwerder, Elbing. Dann gelingt ihm die Vereinigung des Deutschen Ordens mit dem Schwertbrüderorden; er gewinnt dadurch die Herrschaft über Gebiete auch in Livland, Kurland und Estland.

Im Jahrhundert nach Hermann Balks Pionierleistungen werden nicht weniger als 93 deutsche Städte und 1400 deutsche Dörfer gegründet; als Teil der gewaltigsten Kulturleistung des deutschen Volkes im ausgehenden Mittelalter, der Besiedlung des Ostens. Überwiegend finden die Deutschen Wildnis vor, aus der durch ihren Fleiß blühendes Land wird. Die Eingesessenen werden christianisiert und gehen langsam im deutschen Volkstum auf. Beteiligt an der Ostsiedlung sind alle deutschen Stämme.

Gerade hat Hermann Balk Schiffe bauen lassen, fährt mit ihnen aufs Frische Haff und faßt das Prußenland nun auch von Norden, von der See aus, und noch während er Pläne schmiedet, neue Burgen als trutzige Vorposten des Reiches zu schaffen, da ereilt ihn der Befehl des Hochmeisters, zu einer Beratung der Ordensführer zurückzukehren. Der Landmeister verläßt Ostpreußen, ohne zu ahnen, daß es ein Abschied für immer wird.

Eine schwere Krankheit ringt den Mann, der als erster dem Deutschtum den Weg über die Weichsel geöffnet hat, nieder. Er stirbt am 5. März des Jahres 1239, soweit wir wissen in Würzburg.

Auf Hermann Balk geht auch die für die Rechtsentwicklung in Preußen wegweisende Kulmer Handfeste zurück. Erlassen im Jahre 1233, wird sie zur Grundlage der Rechtsprechung fast im gesamten Ördensgebiet mit Ausnahme der Seehäfen, in denen lübisches Recht gilt. Als Statuarrecht hat die Kulmer Handfeste teilweise Bestand bis ins 19. Jahrhundert.
 
 

 

 

 
 
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