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GEORG VON DERFFLINGER

 
     
  (1606 -1695)

Der Große Kurfürst, seines Sieges froh, will keinen Sturm auf Fehrbellin riskieren. Aber jetzt ist es der alte Feldmarschall Derfflinger, der vorwärts drängt: »Ei was, die Eier in die Pfann, eh Küken rauskommen!« Und als er Fehr-bellin verlassen findet, nur noch mit Vieh und Packwagen verstopft, da jagt er hinter den geschlagenen Schweden drein, verwandelt ihren Rückzug in eine wilde Flucht. Nur noch viertausend retten sich nach Mecklenburg. Die zweite schwedische Abteilung aus Havelberg ist nicht mehr einzuholen. Aber die Mark Brandenburg ist frei vom Feind, gesäubert in nicht mehr als sieben Tagen. Das ist die erste große Waffentat der jungen preußischen Armee. Ihr Ruhm fliegt durch die Welt: eine der stärksten Kriegsmächte jener Zeit, die gefürchteten und nie besiegten Schweden -geschlagen von dem kleinen Brandenburg, und wie geschlagen! Zerschmettert und zerfetzt in ein paar Tagen.

So berichtet Thiel in seinen »Profilen Preußischer Soldaten« über Marschall Derfflinger, den Feldherrn des Großen Kurfürsten und eigentlichen Begründer der modernen preußischen Armee. Zum Hintergrund: Nach dem 30jährigen Krieg droht das Ende Deutschlands. Franzosen drängen vom Westen, Türken vom Südosten und Schweden vom Norden ins Reich. Im Juni 1675 nutzen die Schweden die Abwesenheit des von Frankreich am Rhein im Krieg gebundenen brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I., um in dessen Kernlande einzufallen. In Eilmärschen führt der geniale Stratege Derfflinger die brandenburgischen Truppen den Schweden entgegen. Bei Hackenfeld südöstlich des märkischen Städtchens Fehrbellin stellen 5700 Brandenburger am 28. Juni 1675 die doppelt stärkeren Schweden zur Entscheidungsschlacht. Die Schweden werden besiegt und aus Brandenburg, bald darauf aus ganz Norddeutschland verjagt.

Georg von Derfflinger, geboren am 10. März 1606, stammt aus Neuhofen an der Krems, im ehemaligen Erzherzogtum Österreich ob der Enns. Er ist das Kind verarmter evangelischer Bauersleute und läßt sich schon als 16jähriger als gemeiner Reiter anwerben. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges heiratet er nach Brandenburg, und 1654 bewegt ihn der Große Kurfürst, in seine Dienste zu treten.

Derfflinger erweist sich in den Kriegen gegen Polen, Schweden und Franzosen als hervorragend tapferer und populärer Truppenführer. Nicht weniger erfolgreich als bei Fehrbellin ist er bei der Eroberung von Stralsund, das sogar Wallenstein standgehalten hatte, und im Winterfeldzug um die Jahreswende 1678/79. Aus eigener Kraft und vor allem dank Derfflinger gelingt es Brandenburg, das großmächtige Schweden niederzuringen. Vergebens hat der Große Kurfürst seinen berühmten Aufruf an deutsche Fürsten zur Abwehr der verbündeten Franzosen und Schweden gerichtet, in dem es hieß: »Gedenke, daß du ein Teutscher bist!« An nationale Solidarität dachten die Separatisten nicht.

Bereits im achten Lebensjahrzehnt stehend, wird der verdienstvolle Kriegsheld und Landesverteidiger Derfflinger noch zum Obergouverneur aller pommerschen Festungen ernannt und als Generalstatthalter über ganz Hinterpommern und das Fürstentum Cammin eingesetzt. So unverzichtbar erscheint dem Kurfürsten sein tapferer Feldmarschall, daß auch der über Achtzigjährige noch den Oberbefehl über das brandenburgische Heer innehat.

Am 4. Februar 1695 verstirbt der Bezwinger der Schweden auf seinem märkischen Gut Gusow bei Küstrin. Er wird in der nahen Dorfkirche beigesetzt. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges führt das Königlich Preußische Grenadier-Regiment zu Pferd (Neumärkisches) Nr. 3 seinen leuchtenden Namen. Auch ein Schlachtkreuzer der Kaiserlichen Marine, der 1913 vom Stapel läuft, erhält den ehrenvollen Namen des Feldherren des Großen Kurfürsten. Und der Fehrbelliner Reitermarsch kündet bis heute von der größten Heldentat Georg von Derfflingers.

Hannswolf Ströbel über des Großen Kurfürsten getreuen Paladin: »Es mag wie ein Treppenwitz preußischer Geschichte erscheinen, daß ein Österreicher an der Wiege brandenburgisch-preußischen Soldatentums Pate stand. Unbestreitbar war Georg von Derfflinger der Bildner der preußischen Kavallerie. Auf sie übertrug er seinen kühnen Unternehmungsgeist und sein stürmisches und todesverachtendes Draufgängertum.«
 
 

 

 

 
 
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