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FRIEDRICH KARL VON PREUSSEN

 
     
  (1828 -1885)

Verstand, Seele und Körper sind die Teile, aus denen der Soldat besteht. Beschränken wir uns auf die Ausbildung eines dieser Teile, so mögen unser Resultate im Frieden noch so sehr in die Augen springen, für den Krieg sind sie nicht ausreichend, weil sie einseitig sind, weil im Kampf der volle kriegerische Manneswert verlangt wird, der erst dann erreicht ist, wenn auch die Seelenkräfte ausgebildet sind. Der preußische Soldat muß zu dem Vollgefühl sich erheben, daß er der geborene und berufene Verteidiger seiner Fahne ist.

Worte eines Mannes, der durch sein tapferes Vorbild sowie als Heerführer und ^V’ Erzieher ganz wesentlich zur Ausprägung jenes modernen deutschen Solda-tentums beigetragen hat, das weltweit bewundert wird: Prinz Friedrich Karl von Preußen. Ihm hat man den ehrenden Beinamen »Der Eiserne Prinz« gegeben.

Der Neffe Kaiser Wilhelms I. kommt am 20. März 1828 in Berlin zur Welt. Als 20jähriger erhält er 1848 im Treffen bei Schleswig - es tobt der Deutsch-Dänische Krieg - die Feuertaufe und beweist schon erstaunliche Kaltblütigkeit und Umsicht, als er einen ihm von General von Wrangel erteilten Gefechtsauftrag, kühn abgeändert, erfolgreich durchführt. Dafür wird ihm der Pour le Merite verliehen. Im Jahre 1849 blutet der junge Prinz bei Wiesenthal, indem er an der Spitze einer Schwadron rheinischer Husaren feindliche Infanterie attackiert und niederreitet.

1854 bereits hat sich der Eiserne Prinz einen solchen Namen gemacht, daß der große Moltke prophezeit: »Ich glaube, er ist der Mann, der einmal den Waffenruhm von Preußens Heer wiederherstellen wird.«

Ab 1860 wirkt der Prinz an der Spitze des III. (Brandenburgischen) Armeekorps. Im Feldzug von 1864 gegen Dänemark führt er zunächst das aus Brandenburgern und Westfalen zusammengesetzte preußische Korps, dann als Oberbefehlshaber die verbündete preußisch-österreichische Armee. Mit Glanz und Gloria werden die Schlachten und Gefechte bei Missunde, Düppel und Alsen bestanden. Mit dem Sieg an den Düppeler Schanzen des 18. April 1864 erringt Friedrich Karl den ersten preußischen Triumph seit den Befreiungskriegen. Dies stärkt das Ansehen Berlins erheblich und trägt zur Neugründung des Deutschen Reiches unter preußischer Führung bei.

Im Deutschen Krieg 1866 erringt der Eiserne Prinz an der Spitze der 1. Armee die Siege bei Münchengrätz und Gitschin. Er führt bei Königgrätz den schweren opfervollen Kampf in der Front standhaft durch, bis der preußische Kronprinz durch seinen Flankenangriff die Entscheidung bringt.

Vionville mit dem legendären Heldenkampf seiner Brandenburger, St. Privat, Metz, Orleans oder Le Mans sind herausragende Namen aus der glänzenden Feldherrenlaufbahn Friedrich Karls im Krieg gegen Frankreich 1870/71. Wolf gang Foerster im Deutschen Soldatenkalender über Le Mans, 12. Januar 1871:

»Als selbst ein Konstantin von Alvensleben darum bittet, ihm die Fortsetzung des Angriffs zu erlassen, als der Generalstabschef von Stiehle unter diesem Eindruck den Vorschlag macht, die Operation gegen Le Mans aufzugeben, erwidert der Prinz: >Ich habe noch nie kehrt gemacht, ich will es auch jetzt nicht tun.< Der Lohn war die Einnahme von Le Mans, die völlige Niederlage des Gegners.«

Nach dem mit der deutschen Reichsgründung gekrönten Kriege 1870/71 wirkt Feldmarschall Prinz Friedrich Karl als Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion. Auch ist er seit 1867 im Norddeutschen Reichstag vertreten. »Non videri, sed esse!« lautet seine Lebensmaxime: »Nicht scheinen, sondern sein!« Zum preußischen Offiziersgeist schreibt er:

»Um ein vollendeter Edelmann zu sein, darf der Seele nichts anhaften von dem servilen Gehorsam des Hofmannes, der auch uns Prinzen so leicht bis zu einem gewissen Grade anerzogen ist. Die ritterliche Gesinnung zeigt sich in dem Umgang mit den Menschen, in dem mit Bescheidenheit gepaarten Bewußtsein unseres Eigenwertes. Der Mann von Ehre ordnet sich freiwillig unter und bedarf der äußerlichen Strafe nicht. Die Ehre ist sein Zuchtmeister und weiter nichts, das Bewußtsein sein Lohn und Richter. Er dient nicht des Lohnes und der Belohnung willen. Ein Orden schmeichelt ihm, erhöht aber seinen Wert weder in seinen noch in der Standesgenossen Augen.«

Der Eiserne Prinz verscheidet am 15. Juni 1885 in Klein-Glienicke bei Potsdam. Anläßlich seines 75. Todestages hieß es im Deutschen Soldatenkalender:

»Weit über seinen Tod hinaus hat er gewirkt in der alten Armee. Seine Erziehungsund Ausbildungsgrundsätze waren Allgemeingut geworden nicht nur im preußischen, im ganzen deutschen Heere. Sein Geist lebte in dem starken Geschlecht, das in zwei Weltkriegen einer Welt von Feinden Trotz geboten hat.«
 
 

 

 

 
 
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