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FRIEDRICH II. VON PREUSSEN

 
     
  (1712 -1786)

Fridericus Rex, unser König und Herr, / der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr, / zweihundert Bataillons und an die tausend Schwadronen, / und jeder Grenadier kriegte sechzig Patronen. »Ihr verfluchten Kerls«, sprach Seine Majestät, / »daß jeder in der Bataille seinen Mann mir steht. / Sie gönnen mir nicht Schlesien und die Graffschaft Glatz / und die hundert Millionen in meinem Schatz. Meine Generale Schwerin und Feldmarschall von Keith / und der Generalmajor von Zieten seind allemal bereit. / Potz Mohren, Blitz und Kreuzelement, / wer den Fritz und seine Soldaten noch nicht kennt!«

Aus dem berühmten Volksgesang über Friedrich II. von Preußen, den schon die Zeitgenossen »den Großen« genannt haben. In den letzten lahren seines Lebens kennt das Volk den Monarchen, der im Kriege wie im Frieden Unvergleichliches geleistet und mehr als hundertmal dem Tod ins Angesicht geschaut hat, nur noch als den »Alten Fritz«. Selbst die Berliner Straßenjungen rufen es ihm hinterher, was sich der gestrenge und gerechte König gefallen läßt.

Geboren wird Friedrich am 24. lanuar 1712 in Berlin als Sohn des berühmten preußischen Soldatenkönigs und dessen Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover. Der Kronprinz erfährt eine beispiellos harte Erziehung. Als er, der musisch begabte Feingeist, sich dem spartanisch-drakonischen Reglement des Vaters durch Flucht entziehen will, läßt der König ihn zum Tode verurteilen. Im allerletzten Augenblick begnadigt der Soldatenkönig den ISjähriger Sohn, der jedoch zuschauen muß, wie sein Fluchtgenosse Katte geköpft wird.

Also gestählt, tritt Friedrich nach dem Tode des Vaters am 31. Mai 1740 die Regierung an. Er ist nun für bald ein halbes Jahrhundert der aufgeklärte Monarch und kunstsinnige wie fortschrittliche Schöpfer des modernen Preußen einerseits und der große Feldherr, der an vorderster Front in den Kriegen kämpft, andererseits.

Nur vier Tage nach dem Regierungsantritt schafft er als erster die Folter ab. Er unterbindet das Bauemiegen, sichert die Ernährungsversorgung der ärmeren Volksschichten, baut die Infrastruktur, vor allem die Verkehrswege aus, schafft ein vorbildliches Schulwesen (Generallandschulreglement), gewinnt neues Siedlungsgebiet durch Meliorationen im Oder- und Netzebruch, fördert Industrie und Handwerk, läßt Wissenschaft und Kunst erblühen, macht Preußen zur Heimstatt politisch Verfolgter wie auch zum Rechtsstaat (»Das arme Volk mus nicht unterdrückt werden, und kein Mensch mus Tirannisch verfahren«). Er empfindet sich als nur dem Gemeinwohl verpflichteter »erster Diener meines Staates«.

Hinzu kommt der Schlachtenruhm eines der außergewöhnlichsten Herrscher abendländischer Geschichte. In den Kriegen 1740-42 und 1744/45 entwindet er mit genialer Strategie und mit Fortune dem Hause Habsburg Schlesien. Sein Dauerkonflikt mit Maria Theresia, der bedeutenden Monarchin in Wien, hält Mitteleuropa auf Jahrzehnte in Atem. Dann der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763: Ein Weltkrieg zwischen den Großmächten England und Frankreich um die Vorherrschaft in Amerika und Asien, in Europa der Versuch einer gigantischen Koalition der etablierten Mächte Frankreich, Österreich, Schweden und Rußland, den Aufsteigerstaat Preußen zu vernichten. Trotz furchtbarer Niederlagen rafft Friedrich sich und die Seinen immer wieder auf, hält durch, bis seine ärgste Widersacherin, die Zarin im Kreml, stirbt und Rußland aus der feindlichen Allianz ausscheidet. Preußen ist gerettet, steigt sogar 1763 im Frieden zu Hubertusburg in den Kreis der Großmächte auf.

Friedrichs Mut ist unterdessen legendär geworden. Seine Soldaten sind fest überzeugt, daß der König kugelfest sei und die Geschosse nach der Schlacht aus seinem Dreispitz schüttele. Zwei von vielen wahren Begebenheiten:

Einmal geht er, selbst von den tapfersten Grenadieren verlassen, allein auf den Feind zu. Ein General holt ihn gerade noch ein, fragt: »Sire, wollen Sie den Feind ganz alleine schlagen?« - Im Schloß zu Lissa gerät Friedrich mitten unter das Gewimmel des Feindes, Österreicher, Kroaten, Panduren. »Messieurs, kann man hier wohl noch unterkommen!« sagt er geistesgegenwärtig und verblüfft den Feind, bis die Seinen ankommen.

»Er zwang die Deutschen wieder, an die Wunder des Heldentums zu glauben«, fand Fichte. Am 17. August 1786 stirbt der große König in seinem Schlößchen Sanssouci bei Potsdam, wo er 205 Jahre später, 1991, letzte Ruhe fand.

Bezeichnend ist Friedrichs Testamentsverfügung vom 10. Januar 1757:

»Sollte ich getötet werden, so müssen alle Geschäfte ohne die geringste Veränderung weitergehen. Sollte mir die Fatalität widerfahren, vom Feinde zum Gefangenen gemacht zu werden, verbiete ich, daß man die mindeste Rücksicht auf meine Person nähme. Wenn mir ein solches Unglück widerfährt, so will ich mich dem Staat opfern.«
 
 

 

 

 
 
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