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(1865 -1937)
»Wieder, immer wieder hat er das Vaterland gerettet, und wenn das Vaterland doch schließlich zum Ruin gekommen ist, so geschah es einfach, weil sein Ratschlag nicht befolgt wurde.« »Seine Spannkraft, seine Entschluß- und Handlungsfähigkeit haben selbst in Zeiten schwerster seelischer Erschütterung nicht versagt. Es ist eine einheitliche klare Linie, die diese gewaltige Feldherrnpersönlichkeit vom Tage des Amtsantritts bis zum Ausscheiden verfolgt hat: Kampf für Deutschland unter Einsatz auch letzter Kraft.«
Zwei Zitate zu einem Mann, der sich nicht nur mit sagenhafter Tapferkeit -auszeichnet, sondern vor allem durch sein Feldherrngenie 1914 die Schlacht bei Tannenberg siegreich entscheidet und damit Deutschland vor dem Schicksal bewahrt, im Ersten Weltkrieg von der »russischen Dampfwalze« erdrückt zu werden: Erich Ludendorff. Die erste Äußerung stammt vom französischen General Buat, die zweite Anmerkung aus dem Schlußband des amtlichen deutschen Dokumentenwerks zum Krieg 1914-1918.
Ludendorff kommt am 9. April 1865 auf dem kleinen Gutshof seines Vaters, eines Rittmeisters der Reserve, in Kruszewina bei Posen zur Welt. Der Stammbaum der Familie trägt auch das Geschlecht der schwedischen Wasakönige mit.
1881 macht Ludendorff sein Fähnrichsexamen, ab 1895 wirkt er im Großen Generalstab, 1908 wird er Chef der Aufmarschabteilung. Vergebens weist er auf mangelnde Wehr- haftigkeit hin (Frankreich beruft 84 % seiner wehrfähigen Männer ein, das Deutsche Reich nur 53 %), die schließlich den Feind zum Wagnis der Kriegsprovokation anstacheln wird.
Am 6. August 1914 vollbringt Erich Ludendorff die erste glänzende Waffentat aller Helden des Ersten Weltkrieges: Den siegreichen Sturm auf Lüttich. Als der Kommandeur der 14. Brigade, General von Wussow, fällt, übernimmt er auf eigene Faust seine Stelle und durchbricht - immer in der vordersten Linie stürmend - nach schweren Kämpfen den belgischen Verteidigungsgürtel. Er fährt zur Zitadelle und tritt im Alleingang so schneidig und furchtgebietend auf, daß sich der belgische Kommandant mit einigen hundert Mann dem Einzelkämpfer ergibt.
Für diesen kühnen Handstreich, der kaum seinesgleichen in der Kriegsgeschichte findet, erhält Ludendorff als zweiter Soldat des Krieges den Pour le Merite.
Ende August 1914 dann Ludendorffs größte Tat: Als Stabschef Hindenburgs schafft er bei Tannenberg in Ostpreußen - es ist das erste Mal seit Cannae -, mit zahlenmäßig unterlegenen Kräften den Feind zu umklammern und vernichtend zu schlagen. Durch diesen Geniestreich und die folgende Schlacht in Masuren wird die Russengefahr im deutschen Osten gebannt.
Das Schicksal im Westen aber kann selbst Ludendorff nicht mehr wenden. Ein ehrenhaftes Unentschieden, das 1917 möglich erscheint und dem Abendland unsägliches Leid erspart hätte, wird durch das Eingreifen der von Deutschland in keiner Weise militärisch bedrohten USA auf der Seite der Feindmächte durchkreuzt. Das Reich kommt ins Wanken, am 26. Oktober 1918 muß Ludendorff, als Erster Generalquartiermeister der maßgebliche Mann der deutschen Kriegsplanung, gehen. Das Begehren Stresemanns, an die Spitze einer Militärdiktatur zu treten, lehnt der Feldherr ebenso ab wie Rathenaus Ansinnen, einen allgemeinen Volkssturm unter Aufbietung aller Kräfte zu entfachen, was die Gefahr eines entsetzlichen Bürgerkrieges heraufbeschworen hätte.
Ludendorff gehört zeitweise als Abgeordneter dem Reichstag an, wendet sich aber von der NS-Bewegung ab. Mit seiner Gattin, der Philosophin Mathilde Ludendorff (1877-1966), schafft er eine weltanschauliche Bewegung, die sich dem Kampf gegen überstaatliche Mächte verschreibt.
Der Sieger von Tannenberg meldet sich am 20. Dezember 1937 zur Großen Armee ab. Er verstirbt in München, wo zu Ehren des Verewigten ein Staatsakt unter großer Beteiligung der Bevölkerung begangen wird. Anschließend wird seine sterbliche Hülle nach Tutzing am Starnberger See, seinem Ruhesitz, überführt.
Anläßlich seines Todes erweisen auch hochrangige einstige Kriegsgegner Ludendorff Reverenz. In seinen Plänen und Taten habe der deutsche Schlachtenlenker »eine Höhe erreicht, die kein anderer militärischer Führer des großen Krieges aufzuweisen hat«, bekundet der englische General Sir F. Maurice. |
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