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(1893 -1917)
Mein Eisernes Kreuz erster Klasse habe ich für drei Sachen erhalten: Einschießen des »Langen Heimich« auf Dünkirchen, bei dem ich mit noch einigen anderen Herren beteiligt war. Wir flogen in ziemlich heftigem Granatfeuer über die Stadt, und mein Beobachter signalisierte die Einschlagstellen bei dem Geschütz. Die Verwüstungen waren kolossal. Am 10. Mai 1915 schoß ich mit einem fünfschüssigen Selbstladekarabiner ein feindliches Kampfflugzeug herunter, das ein Maschinengewehr- an Bord hatte. Die Franzosen gaben dies auch in ihrem offiziellen Tagesbericht zu. Und schließlich hatte ich im Mai zirka 16 000 km an Aufklärungsflügen, Artillerie-Einschießen usw. in Feindesland Unter mir. Daß nicht immer alles ganz glatt gegangen ist, davon kann meine Maschine j mit ihren zirka fünfzig Schußlöchern ein Lied singen (neulich wurde mir ein Knopf meines Mantels abgeschossen), dazu kommen noch etliche Notlandungen dicht hinter unserer Front und ein paar Stürze mit an deren Maschinen.
Aus einem Brief, den Jagdflieger Wilhelm Frankl 1915 an Verwandte anläßlich 1 I der Verleihung des Eisernen Kreuzes geschrieben hat. Der furchtlose Jäger der Westfront zählt zu den ruhmreichsten deutschen Rittern der Lüfte. Der Pionier der deutschen Jagdfliegerei hat im Kriege das Ritterkreuz des Hohenzollernschen Hausordens und den Pour le Merite erhalten.
Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns nationaldeutscher Gesinnung kommt Wilhelm Frankl am 20. Dezember 1893 in Hamburg zur Welt; er verläßt 1914, wenige Monate vor Kriegsbeginn, die jüdische Glaubensgemeinschaft und nimmt die Taufe an.
Als Schüler von Melly Beese, der ersten deutschen Fliegerin, erwirbt Wilhelm Frankl im August 1913 den Privatpilotenschein. Bei Kriegsausbruch 1914 meldet er sich sofort als Freiwilliger zur Fliegertruppe.
Als Aufklärer und Artillerieflieger sammelt er in Flandern erste Fronterfahrung. Sein Stern geht auf, als er im Rahmen der deutschen Jagdfliegertruppe an Bord eines der neuen Fokker Eindecker zum Einsatz kommt. Am 10. Januar 1916 erringt Frankl damit seinen ersten Luftsieg: Er bezwingt eines der gefürchteten französischen Voisin-Kanonenflugzeuge. Am 16. Mai 1916 wird er erstmals im Heeresbericht genannt:
»Der Vizefeldwebel Wilhelm Frankl hat am 4. Mai einen englischen Doppeldecker und damit sein viertes feindliches Flugzeug außer Gefecht gesetzt. S.M. der Kaiser hat seine Anerkennung für diese Leistung des Fliegers durch die Beförderung zum Offizier ausgesprochen.«
Am 10. August 1916 schießt Frankl seinen siebten und achten Gegner ab und wird daraufhin als einer der ersten Flieger mit dem Pour le Merite ausgezeichnet. Als auf Anregung Boelckes im Spätsommer 1916 die Jagdflieger zu taktischen Verbänden zusammengefaßt werden, wird für die neu aufzustellende Jagdstaffel 4 auch Frankl als einer der Besten ausgewählt. Im Kriegsj ahr 1916 ist er mit insgesamt 16 Luftsiegen nach Boelcke, der mit 40 Abschüssen einsam an der Spitze steht, der erfolgreichste deutsche Jagdflieger.
Nach einem Kommando zu den Fokker- und Pfalz-Flugzeugwerken, bei dem Frankl seine Erfahrung in die Entwicklung des Jagdflugzeuges einbringt, übernimmt der furchtlose Flieger im Februar 1917 die Führung der Jagdstaffel 4. Am 6. April 1917 erreicht er den Gipfel seines Erfolges, als er drei Gegner an einem Tage bezwingt. Diese Leistung weckt nicht nur in Deutschland Bewunderung, sondern wird auch beim Kriegsgegner mit Hochachtung registriert.
Nur zwei Tage darauf findet der dreiundzwanzigjährige Wilhelm Frankl - nach 19 Abschüssen, die ihm im Luftkampf gelungen waren - den Soldatentod. Er fällt am Ostersonntag des Jahres 1917 im Luftgefecht über Vitry-Sailly.
1973 benennt die Bundeswehr die Kaserne des Jagdgeschwaders 74 »Mölders« in Neuburg an der Donau nach diesem Flieger-As. Gero von Langsdorff 1977 im Deutschen Soldatenjahrbuch zum 60. Todestag Frankls:
»Von allen, die ihn kannten, wurde Wilhelm Frankl als überaus beliebter Kamerad und ausgezeichneter Führer, vor allem aber als ganz hervorragender Pilot geschildert. Sein ehemaliger Abteilungs-Kommandeur Adolf Viktor von Koerber, der ihm ein Kapitel seines Buches >Der Soldat< (Berlin 1934) widmete, sagte von Frankl: >Ich sah nie wieder einen so leidenschaftlichen Flieger. < «
In ihrer Serie über große Deutsche jüdischer Herkunft stellte die National-Zeitung am 15. Januar 1993 Wilhelm Frankls Lebenslauf dar und schrieb dazu:
»Auch er hatte entscheidenden Anteil daran, daß man mit Recht bekennen kann: Ich bin stolz, Deutscher zu sein.« |
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