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WILHELM WASSMUSS

 
     
  (1880 -1931)

Nach seinem Tode aber wächst der bis dahinschon allgemein verehrte Mann gerade beim einfachen Volk der Wüsten- und Gebirgsländer im Süden Persiens zu einer vom Mythos umwitterten Gestalt empor, zum »großen Alemani«, der nach der dortigen Vorstellung nur einer derunzähligen»heldenhaften Alemani« war. Der Schreiber dieser Zeilen hat noch im Herbst 1960 in Schiras erlebt, wie bei der Nennung des Namens Waßmuß die Augen alter Perser begeistert aufleuchteten, die dabei stolz ausriefen: »Ich habe ihn gekannt!«

Aus Wolfram Mallebreins Bericht über den wagemutigen Konsul Wilhelm Waßmuß, der im Ersten Weltkrieg völlig allein auf sich gestellt die Völkerschaften Südpersiens gegen das britische Empire mobilisiert, für den sein fairer Feind, der englische General Sykes, den ehrenden Beinamen »der deutsche Lawrence« prägt und dessen eiserne Beharrlichkeit sowie unermüdliche Tatkraft die Menschen des nachmaligen Iran mit Bewunderung erfüllen. Ein persischer Schriftsteller wird später über seine Landsleute notieren: »Sie hatten eine Art heiliges Gefühl für ihn.«

Als Sproß eines niedersächsischen Freibauerngeschlechtes wird Wilhelm Waßmuß am 14. Februar 1880 in Ohlendorf im Harz geboren. Nach Abschluß des Rechtsstudiums und Referendarexamen tritt er in die Dienste des deutschen Auswärtigen Amtes. Bald kommt er nach Persien, wirkt dort als stellvertretender Konsul in Buschir am Golf und verfällt, in waghalsigen Streifzügen das unerforschte Gebiete erkundend, dem wilden Land.

Nach Ausbruch des Krieges 1914 hat er den Auftrag, die Perser zum Widerstand gegen die Briten anzustacheln, die über den Süden des Landes herrschen, während die Russen im Norden das Sagen haben. In einem Gebiet der halben Größe des Deutschen Reiches organisiert Waßmuß eine weitverzweigte persische Verschwörung, und es gelingt ihm, etliche Nomadenstämme, besonders die Kaschgai, Kaseruni und Kaschguli, zur nationalen Erhebung aufzurütteln. Dies führt zu einem erbitterten jahrelangen Kleinkrieg gegen die britischen Besatzer und beeinträchtigt das Empire in seiner nahöstlichen Kriegsführung gegen die verbündeten Deutschen und Türken nachhaltig.

Dann zwingt eine mit Gewalt einsetzende Dürre zahlreiche Waßmuß ergebene Stammesführer zu Waffenstillstandsabkommen. Doch der große Alemani (morgenländisches Wort für: Deutscher) gibt nicht auf. Dr. Kehrhahn im Deutschen Soldatenkalender 1961:

»Waßmuß faßt den Entschluß, nach Bagdad durchzubrechen. Unterwegs wird er überfallen und ausgeplündert. Sein ortskundiger Begleiter bringt den schwer Verwundeten in ein abgelegenes Dorf in Sicherheit. Zwei britische Divisionen werden von der schwer ringenden Front in Frankreich nach Vörderasien abtransportiert. Vom Krankenlager aus organisiert Waßmuß einen Bandenkrieg gegen den von Süden nach Schiras vordringenden Feind. Die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen Schiras und den britischen Streitkräften im Süden wird durch die Tätigkeit von Waßmuß und seines Verbündeten Nasir ed Diwan vereitelt. Durch seine Zeitung >Stimme des Rechts< gewinnt der Deutsche immer mehr Anhänger.«

Als die Briten Bagdad nehmen, tritt ein Stimmungsumschwung zuungunsten Waßmuß’ und seiner Verbündeten ein. Schließlich muß der Alemani den etwa 20 000 modern ausgerüsteten Engländern weichen. Er zieht sich ins Gebirge zurück. Ein großangelegter britischer Angriff auf seine Stellungen wird blutig abgewiesen. Doch eine Seuche rafft plötzlich die meisten persischen Mitkämpfer des deutschen Konsuls dahin. Auch Waßmuß wird von ihr befallen.

Nach Kriegsende gerät er den Briten, die ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hatten, in die Hände. Nach harter Zeit der Gefangenschaft gelangt Waßmuß 1919 nach Berlin. Er setzt bei der Reichsregierung eine Entschädigung für die südpersischen Stammesfürsten durch, die treu an Deutschlands Seite gekämpft hatten, fährt mit seiner Frau abermals nach Persien und baut dort - in kühner Vorwegnahme der Idee wohlverstandener Entwicklungshilfe - eine Musterfarm als Lehranstalt für die Einheimischen auf.

Doch dauert es nicht lange, bis Waßmuß ein Opfer intriganter Halsabschneider wird, die ihn verleumden und ruinieren. Er muß Persien verlassen, erfährt aber noch kurz vor seinem Tode die Genugtuung, daß ihm in Teheran in letzter Instanz vor Gericht Recht gegeben worden ist.

Von den Verwundungen, Entbehrungen und Krankheiten, die er als »deutscher Lawrence« erlitten hat, schwer gezeichnet, stirbt Wilhelm Waßmuß am 29. November 1931 in Berlin.
 
 

 

 

 
 
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