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(912 - 973)
Kaiser Otto L, dem man seit der ^fi jX> Lechfeldschlacht immer häufiger den Beinamen »der Große« beilegt, hat die deutschen Stämme | endgültig vereint. Er beginnt ein 1 Regierungssystem, das viele Generationen beibehalten, er errichtet das Protektorat des deutschen Königs über Burgund und seine Herrschaft über Nord- und Mittelitalien und erwirbt die Kaiserkrone, er schafft die Grundlagen für die Ausdehnung des Deutschtums im Osten, und unter seiner Führung * erringt das Deutsche Reich für Jahrhunderte die Hegemonie im christlichen Abendland. Diese Vormacht ist nicht bloß auf militärische Überlegenheit, sondern auch auf sittliche und geistige Kraft gegründet. Unter dem Schutz der sächsischen Dynastie entfaltet sich in Deutschland ein geistiges und künstlerisches Leben von einer Lebendigkeit und Urwüchsigkeit, die man sonst in Europa im fc zehnten Jahrhundert nicht findet. "
So würdigt Gerd Teilenbach in »Die großen Deutschen« den eigentlichen Begründer deutscher Stärke, die Majestät von stattlicher Gestalt mit kurzgeschorenem Kopf und einem wallenden Bart, der im Alter bis zur stark behaarten Brust reicht, den Monarchen, den wie kaum einen anderen ungestüme Tapferkeit auszeichnet: König und Kaiser Otto L, neben dem Franken Karl der einzige seines Ranges, der als »der Große« in die Geschichte eingegangen ist.
Otto kommt am 23. November 912 zur Welt. Er ist Sohn des deutschen Königs aus sächsischem Herzogshaus, Heinrich L, der als Begründer des ersten Deutschen Reiches angesprochen werden kann. Als Nachfolger seines Vaters wird Otto am 7. August 936 in Aachen über dem Grab Karls des Großen zum deutschen König gekrönt.
Zunächst muß Otto die Widersacher in der eigenen Familie und im eigenen Volke bezwingen oder bändigen. In unerhört bitteren Kämpfen und unter todesmutigem Einsatz seiner selbst unterwirft er die unbotmäßigen Herzöge von Franken, Lothringen und Bayern. Alle Kraftanstrengungen hält er eisern durch und verhindert so, daß das junge Reich - kaum begründet - wieder zerfällt.
Am 10. August 955 wirft sich Otto mit einem gesamtdeutschen Heer den Ungarn zur Entscheidungsschlacht entgegen. Die Madjaren sind seit vielen Jahren schon die Geißel des Abendlandes und nun mitten ins Deutsche Reich vorgestoßen. Der welthistorisch bedeutsame Kampf tobt auf dem Lechfeld südlich von Augsburg. Otto selbst steht an der Spitze des Reichsheeres, sprengt seinen neuen Panzerreitern mit Schild und Heiliger Lanze voran. Konrad der Rote entscheidet mit seinen fränkischen Rittern die gigantische Schlacht. Die Ungarn sind bezwungen. Das erste Deutsche Reich hat seine Bewährungsprobe, die Ungarnnot, glänzend bestanden. Vor allem auch bändigt der Sieg auf dem Lechfeld deutschen Partikularismus und Separatismus. Die Verfechter der deutschen Einheit haben recht behalten: Nur gemeinsam sind die Herausforderungen zu meistern.
Otto der Große hat das Reich zunächst nach Westen und Süden hin gefestigt und ausgedehnt. So nimmt er auch die Eiserne Krone der Langobarden an. Dann widmet er sich dem Osten, siegt über die Wenden, schafft mit Bistumsgründungen und seiner Markenorganisation die Grundfesten für die bald beginnende größte Leistung des deutschen Volkes im Mittelalter, die Ostsiedlung, also die Erringung altgermanischen Siedlungslandes ostwärts der Elbe. Vor allem sind es zwei gewaltige deutsche Männer, die für Otto den Großen die Wacht im Osten halten: Markgraf Gero und Hermann Billung.
Am 2. Februar des Jahres 962 läßt sich Otto der Große in Rom zum Kaiser des Heiligen Reiches krönen. Es ist die historische Renovatio imperii, die Wiedererrichtung des von Karl dem Großen mehr als anderthalb Jahrhunderte zuvor erneuerten abendländischen Kaisertums. Im Jahre 971 erreicht Otto der Große die Anerkennung des deutschen Kaisertums durch Byzanz. Es scheint, als läge die ganze Welt dem großen Herrscher zu Füßen. Ihm ist noch vergönnt, den glänzendsten Reichstag seiner Zeit, 973 in Quedlinburg, zu erleben, dann verscheidet er am 7. Mai des Jahres in Memleben an der Unstrut.
Der Begründer des deutschen Kaisertums im ersten Reich, das bald tausendjährigen Bestand hat, wird im Dom zu Magdeburg bestattet. |
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