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MARCELLO MALPIGHI

 
     
  MARCELLO MALPIGHI und die mikroskopische Anatomie. Lebensdaten: 1628 - 1694. Der italienische Arzt und Anatom Marcello Malpighi ist der Begründer der mikroskopischen Anatomie. Seine ausgedehnten Forschungen legten die Grundlage für die Histologie, die Wissenschaft von den Geweben des Körpers, sie hatten weitreichende Auswirkungen auf die Botanik, Zoologie und Embryologie. Berühmt wurde er durch seine Entdeckung des Kapillarsystems (1661). Damit zeigte er, wie Arterien mit den Venen verbunden sind, und fand somit das fehlende Bindeglied in WILLIAM HARVEYS Theorie der Blutzirkulation. Ausgestattet mit einem Mikroskop, führte Malpighi einige der' ersten eingehenden Untersuchungen des Rückgrats, der Nieren, der Milz, des Gehirns, der Haut und der Zunge durch. Er lieferte genaue und bis dahin einmalige Beschreibungen von Tieren im Embryonal oder Larvenstadium. Obwohl er den größten Teil seines Lebens als Professor in Bologna verbrachte, könnten seine Schriften, wie Daniel Boorstin schreibt, »als Reisen mit dem Mikroskop bezeichnet werden. Seine Arbeit war ein einziges Tagebuch, schillernde Aufzeichnungen eines Reisenden in eine Welt, die dem bloßen Auge verborgen ist.« Von Malpighis Kindheit ist wenig bekannt. Er wurde am 10. März 1628 in Crevalcore in Norditalien geboren. Seine Eltern waren wohlhabend genug, um ihn bereits in Hinblick auf eine Universitätslaufbahn die Schule besuchen zu lassen, 1645 beendete er seine »grammatikalischen Studien«. An der Universität von Bologna gehörte er der anatomischen Gesellschaft des bekannten Anatomen Bartolemeo Massari an, mit dem er seine ersten Tiere sezierte und dessen Schwester er heiratete. 1653 wurde Malpighi die Doktorwürde für Medizin und Philosophie verliehen. An der Universität Pisa, an der Malpighi 1656 Professor für theoretische Medizin wurde, freundete er sich mit Alfonso Borelli an. Borelli, ein Mathematiker, der als einer der ersten versuchte, Körperfunktionen anhand physikalischer Gesetze zu beschreiben - berühmt wurde er durch seine Erklärung des Vogelflugs -, übte auf Malpighi großen Einfluß aus, und bis 1668, als sie sich im Streit trennten, waren beide Männer eng befreundet und arbeiteten intensiv zusammen. Um 1659 kehrte Malpighi nach Bologna zurück und lehrte dort theoretische und praktische Medizin; zwischen 1662 und 1666 war er an der Universität von Messina, anschließend die erneute Rückkehr nach Bologna, wo er bis 1691 blieb. Untersuchungen der für das bloße Auge unsichtbaren Körperstrukturen mittels der neuen Erfindung des Mikroskops wurden zu Malpighis Lebenswerk. Als Student zeigte er sich von William Harveys Werk über den Blutkreislauf beeindruckt, das im Jahr seiner Geburt erschienen war. In zwei an Borelli adressierten Briefen, die 1661 unter dem Titel De pulmonibus observationes anatomicae (Anatomische Betrachtungen der Lunge) als Buch veröffentlicht wurden, beschrieb Malpighi die »kleinen Röhren« an der Lungenoberfläche und die Blasen der Frösche und Schildkröten. »Ich kann deutlich erkennen, daß das Blut geteilt wird und durch gewundene Gefäße fließt«, schreibt Malpighi, »daß es nicht in Hohlräume strömt, sondern immer durch Kanälchen getrieben und von den mannigfaltigen Krümmungen der Gefäße verteilt wird ...« Malpighi übertrug die Ergebnisse auf den menschlichen Körper und konnte so, vier Jahre nach Harveys Tod, dessen Ansichten bestätigen. Mit Hilfe der Mikroskopie - sowohl Robert Hooke als auch ANTON VON LEEUWENHOEK waren Zeitgenossen -machte Malpighi viele Entdeckungen, in denen sich das Denken der Hochrenaissance widerspiegelt. Sie waren Gradmesser für die radikalen Veränderungen, unter denen in dieser Zeit der menschliche Körper betrachtet und verstanden wurde. Malpighi entdeckte die Geschmacksknospen auf der Zunge und die Pigmentschicht der Haut, er untersuchte das Rückgrat und beschrieb 1665 in seiner Schrift De cerebro, wie Nervenfaserbündel zum Rückenmark führen und mit dem Gehirn verbunden sind. Bestimmte Strukturen in den Nieren und der Milz sind nach ihm benannt, und die tiefste Hautschicht bei Säugetieren wird als Malpighi-Schicht bezeichnet. Zwei Jahrhunderte vor Thomas Hodgkin beschrieb er die Hodgkin'sche Krankheit. Malpighi war Zoologe und Botaniker, er untersuchte Pflanzen- und Insektenorganismen, und er war Embryologe. 1673, in dem Jahr, in dem Leeuwenhoek anfing, Briefe an die Royal Society in London zu schicken, veröffentlichte Malpighi De formatione Pulli (Über die Bildung des Kükens im Ei). Seine Studie über die Seidenraupe war die erste detail- lierte Untersuchung eines Insekts überhaupt, und wie gründlich er dabei vorging, wird deutlich aus der Bewertung F. J. Coles: Malpighi »sezierte alle Entwicklungsphasen der Spezies, aber sieht man von seinen beachtenswerten und sehr genauen Beobachtungen zu den Genitalien der Falter ab, widmete er seine ganze Aufmerksamkeit der Larve; hier waren seine neuartigsten und wichtigsten Studien angesiedelt.«Obwohl Malpighis Arbeit durchaus Anerkennung fand, sah er sich immer wieder Angriffen durch die Kirche ausgesetzt. Um 1700 allerdings konnte der Wert seiner Entdeckungen nicht mehr bestritten werden. Als er 1684 durch einen Brand seine Mikroskope verlor, spendete ihm die Royal Society Trost und schickte ihm neue Linsen. Und 1691 bestellte Innozenz XII., ein reformistischer Papst, Malpighi zu seinem Leibarzt; eine Aufgabe, die er mit bösen Vorahnungen antrat. Er zog nach Rom und verbrachte dort die letzten drei Jahre seines Lebens. Seinen Freunden hatte er immer gesagt, daß er einmal sterben werde, wenn er es am wenigsten erwarte, »mit den Stiefeln an den Füßen.« Am 29. November 1694 starb er an einem konvulsivischen Schlaganfall. Sorgfältig sezierten Freunde seinen Leichnam, die Überreste wurden nach Bologna überführt und dort bestattet.  
 

 

 

 
 
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