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KARL GRAF ADALBERT VON NEIPPERG

 
     
  (1890 -1948)

Die Kolonne zieht weiter, und mitten in einem der Elendszüge, diesem grausigen Karneval der Zerlumpten, der Bosheit und der Mordlust, eine ungewöhnliche Erscheinung: Ein hochgewachsener Mann in der schwarzen Mönchskutte der Benediktiner, schlohweißes Haar über einem edlen Gesicht, einen alten Soldaten-Brotbeutel über der Schulter. »Der Abt«, so nennen sie ihn im Zuge. Freilich, die Wärter schimpfen ihn Pope und schlagen ihm höhnend den Kolben ins Kreuz. Er ist der alles und alle überstrahlende Mann der jugoslawischen Kriegsgefangenenlager: Karl Graf Adalbert von Neipperg.

Aus dem dokumentarischen Buch »Die Gefangenen« von Carell/Böddeker. Die Worte gelten jenem Abt Neipperg, der sich im unerschütterlichen Glauben an den barmherzigen Gott bis zur Selbstaufgabe für seine gemarterten deutschen Kameraden im Tito-KZ einsetzt und der schließlich den Märtyrertod stirbt.

Karl Graf Adalbert von Neipperg kommt am 31. März 1890 in Meran, südliches Tirol, zur Welt. Von 1929 bis 1934 dient er als Abt auf Stift Neuburg, dem Benediktinerkloster bei Heidelberg. Dann ist er Mönch und Jugendseelsorger in Seckau in der Steiermark, darauf - nach dem Österreich-Anschluß - als Priester in Windisch-Feistritz in der Südsteiermark tätig. Dort lebt sein Vetter, Graf Ferdinand von Attems. Nach Beginn der Bombenangriffe läßt sich der Abt als Sanitäter ausbilden und hilft tatkräftig mit, die überlebenden Opfer des westalliierten Bombenholocausts zu versorgen.

Nach der Kapitulation der Wehrmacht schließt sich Neipperg einem Treck von Landsern und Zivilpersonen nach Nordwesten an. Der Treck wird von bulgarischen Einheiten aufgegriffen, die jedoch einen Großteil der Gefangenen wieder freilassen.

Als ein bulgarischer Oberst den Abt bei einem Verwundeten sieht, fragt er: »Sie Pope?« Neipperg: »Ja.« Darauf der Bulgare: »Weg, fliehen!« Doch der Abt bleibt und sagt: »Was wird mit den Soldaten, den Verwundeten und Kranken? Ich bleibe bei ihnen, denn sie haben keinen Arzt und keinen Priester mehr.« »Dann sind Sie Kriegsgefangener«, ruft der bulgarische Oberst. »Und zwar als Offizier«.

Es folgt Neippergs Opfergang durch Jugo-KZs. Überall ist er selbstaufopfernd bemüht, das Leid der Gefangenen zu lindern. Seiner weit über 80jährigen Mutter schreibt er, »wie sehr ich mich von Herzen nach Vaterland, Kloster, Familie sehne«. Doch der deutsche Arzt, der den von den Strapazen des KZ gezeichneten Abt behandelt, berichtet:

»Wir haben versucht, den Abt für die Repatriierung bei den Jugoslawen durchzudrücken. Als er davon erfuhr, verlangte er von mir, daß ich keine weiteren Schritte unternehmen sollte. >Meine Aufgabe ist es, hier zu bleiben und zu helfenNun ist ER nah.< Unsere Augen fragten: >Wer?< - aber unsere Herzen wußten die Antwort - Gott. In die Unmenschlichkeit unseres Daseins brachte der Abt die Würde des Menschen, der nah bei uns war und nah an dem Herzen Gottes. Er war der Weg, den wir alle beschritten, und sein Lächeln der Güte war die Stufe, auf der wir ihn fanden.«

Für die titoistischen KZ-Schergen, ja sogar für die oberste Führung der Vernichtungslager, die in Belgrad sitzt, wird der Abt zu einer Gefahr. Einmal in Freiheit gesetzt, könnte er der Kronzeuge für die Konzentrationslager-Barbarei in Titos Machtbereich werden. Am 23. Dezember 1948 wird der Abt aus dem Lager bei Werschetz zum jugoslawischen Stab befohlen, dessen Hauptquartier sich in der nahegelegenen Stadt befindet. Neipperg kommt nicht wieder ins Lager zurück.

Nach den Weihnachtsfeiertagen wird in Werschetz unter einem Maisschrothaufen sein Leichnam gefunden. Man hat dem Abt die Nägel der Zehen herausgerissen, der Körper ist von schwarzen Flecken als Zeichen schrecklicher Torturen bedeckt, die Kehle ist durchschnitten worden. Auch die Bevölkerung ist entsetzt, denn der Abt hat sich durch sein segensreiches Wirken viel Anerkennung beim »einfachen Mann« erworben, der für die KZ-Barbareien Titos nicht verantwortlich ist. Der Totengräber von Werschetz, ein Verehrer des Abtes, bewahrt die Leiche vor dem Schicksal, irgendwo verscharrt zu werden, und bestattet die sterblichen Überreste des Abtes zwischen den Särgen einer Familiengruft.

Auf der Gedenktafel in der Abteikirche von Neuburg steht eingemeißelt: »Karl Graf Adalbert von Neipperg; geboren am 31. März 1890 zu Meran; ermordet in Werschetz am 23. Dezember 1948. Victima caritatis.«
 
 

 

 

 
 
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