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(1766 -1806)
Überhaupt herrschte auch bei den Soldaten eine dumpfe Stille, und die meisten erklärten sich danach in ihren Quartieren zu Hause laut wider diese Exekution. Der Oberkommandant davon sprach zu mir im Heimziehen auf deutsch: »Dieser Mann war wohl recht standhaft«. Der Hauptmann aber, als er in sein Quartier zurückkam, schimpfte entsetzlich und sagte, er würde lieber quittieren, als noch einmal eine solche Exekution auf sich nehmen. Überhaupt ist nicht zu beschreiben, was für große Traurigkeit in der ganzen Stadt herrschte. Es war bei allen, wes Geschlechtes, Standes und Alters, nur eine Stimmung, nämlich der tiefe Schmerz.
Zitat aus dem Bericht des Pfarrers Pöschl, der dem Buchhändler Palm in den -letzten Stunden seines Lebens Beistand geleistet hat. Weil er an der Verbreitung der Flugschrift »Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung« beteiligt gewesen war, ist Palm auf Napoleons Geheiß verhaftet und exekutiert worden. Obwohl es ihm das Leben hätte retten können: Palm gab niemanden preis, der mit der Flugschrift zu tun hatte. So stirbt er am 26. August 1806 als Märtyrer in Braunau am Inn.
Man schreibt den 18. Dezember des Jahres 1766, als dem Chirurgen aus alter Apothekersfamilie, Johann Leonhard Palm, in Schorndorf Sohn Johann Philipp geboren wird. Das weitverzweigte Geschlecht blüht zeitweise sogar im Fürstenstande, und auch Ende des 20. Jahrhunderts gibt es Freiherren aus dieser Familie in Deutschland.
Durch Heirat wird Johann Philipp Palm Besitzer der angesehenen Buchhandlung Stein in Nürnberg, nachdem er bei seinem Onkel in Erlangen den Buchhandel gelernt hat. 1806, Napoleon herrscht als Bedrücker fast im gesamten Deutschland, taucht verschiedenen Ortes ein Büchlein mit dem Titel »Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung« auf. Es führt heftig Klage über Willkür und Unrecht durch die französischen Besatzer. Die französische Geheimpolizei unternimmt alle Anstrengungen, die Quelle des »gefährlichen, aufwieglerischen Schriftstücks« ausfindig zu machen. Ins Visier kommt vor allem die Steinsche Buchhandlung mit ihrem Chef Palm. Am 5. August 1806 erläßt Napoleon an den Marschall Berthier in München folgenden Befehl:
»Mein Vetter! Ich denke, daß Sie die Buchhändler von Augsburg und Nürnberg haben verhaften lassen. Es ist mein Wille, daß sie vor ein Kriegsgericht gezogen und in 24 Stunden erschossen werden. Es ist kein gewöhnliches Verbrechen, wenn man in den Orten, wo sich die französischen Armeen befinden, Schmähschriften verbreitet, um die Einwohner gegen sie aufzureizen. Es ist Hochverrat. Das Urteil soll aussprechen, daß, da es Pflicht des Chefs einer Armee ist, überall, wo sich eine solche befindet, über ihre Sicherheit zu wachen, die Personen so und so, welche des Versuchs überwiesen sind, die Einwohner zur Empörung gegen die französische Armee zu reizen, zum Tod verurteilt sind. In diesem Sinn soll das Urteil abgefaßt werden. Sie werden die Verbrecher mitten in eine Division bringen lassen und sieben Oberste ernennen, um sie zu richten.«
Der erwähnte Augsburger Buchhändler kommt durch glückliche Umstände frei, doch vergeblich bittet die Frau des verhafteten Palm, Mutter dreier gemeinsamer Kinder, die französischen Besatzer um Gnade. Der Todgeweihte wird nach Braunau verbracht. Der Prozeß läuft im Eiltempo ab. Ein außerordentliches Kriegsgericht spricht am 26. August 1806, wie von Napoleon befohlen, das Todesurteil. Man hat dem Angeklagten nicht einmal einen Verteidiger gewährt. Um 11 Uhr wird Palm das Urteil bekanntgegeben. Eine Bittschrift der Frauen und Kinder von Braunau an den General de St. Hilaire fruchtet nichts. Der Kaiser habe, so heißt es, die sofortige Vollstreckung verlangt. So stirbt Palm gegen 14 Uhr als Märtyrer der vaterländischen deutschen Sache.
Der Palmforscher Rackl erzählt: »Den ihm ohne allen Zweifel bekannten Verfasser der Flugschrift anzugeben, daran dachte sein edler, aufopferungsvoller Sinn keinen Augenblick! Treu seinem Entschlüsse hatte er auch bei seinem Verhöre in Braunau nicht den leisesten Versuch gemacht, durch Nennung desselben etwa sich zu retten oder seine Strafe zu mildern, und das zeugt eben von einer bewunderungswürdigen Seelengröße dieses echt deutschen Mannes.«
Palm ist nicht umsonst gestorben. Das brutale Vorgehen Napoleons schürt in ganz Deutschland den Haß auf die fremden Besatzer und gibt einen weiteren Anstoß für den nationalrevolutionären Befreiungskampf.
Sechs Jahrzehnte nach seiner Hinrichtung hat man dem tapferen Buchhändler Palm an der Stätte seines Martyriums, Braunau am Inn, ein Denkmal errichtet. |
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