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(1880 -1916)
Vier Wochen später führen Wind und Wogen Gorch Focks entseelten Körper Schwedens Küste zu. Dort in den Außenschären des Gerichtsbezirks Kwille bergen ihn Fischer. Sein Haupt trägt
noch die Mütze mit dem Stirnband der »Wiesbaden«, seine Brust die Erkennungsmarke »Wiesbaden 49«. Er treibt aufrecht stehend im Wasser, doch ist sein Kopf zurückgesunken, als habe der Blick noch im Verlöschen die Sterne gesucht. Man begräbt
ihn auf der kleinen unbewohnten Insel Stensholmen inmitten der einsamen Schärenwelt neben den anderen Opfern, die das Meer an diese Küsten trieb. Dort ruhen sie nun friedlich nebeneinander, Deutsche und Engländer, Gegner im Leben, verbunden im Tode.
Aus einem Bericht, der nach Ende des Ersten Weltkrieges erschienen ist. Gorch VI Fock, der Dichter des deutschen Nordens, hat sich aufgeopfert bis zum Letzten für seine Heimat und sein Vaterland. »Seefahrt ist not«, lautet der Titel seines bekanntesten Werkes, in dem er die Deutschen anspornt, ein Volk der Seefahrer zu werden. Hans Friedrich Blunck, des großen Toten eingedenk, schreibt: »Seefahrt mutt ween, / Slaap licht, Gorch Fock, / Wat sind wi alleen!«
Johann (Hans) Kinau, der später den Dichternamen Gorch Fock annimmt, kommt am 22. August 1880 als Sohn eines Fischers auf der Insel Finkenwerder bei Hamburg zur Welt. Urgroßvater, Großvater und Vater sind auf See geblieben. Auch den jungen Hans treibt die Abenteuerlust. Wolfgang Burgdorf berichtet:
»Vor keinem Wind verkriecht er sich. Er ist ein verwegener Draufgänger. Furcht kennt er schon als Junge nicht. In der Seele des Mannes hat sie erst recht keinen Raum. Er liebt die See über alles. In der Dichtung hat er ihr mit seinem Lebenswerk das Höchste geweiht.«
Gorch Fock kommt aus den Anfängen der Jugendbewegung, die sich gegen verspießertes Bürgertum, für frisches Volks- und Heimatbewußtsein erhebt. In seiner heimatverbundenen Lyrik erzählt der Dichter von der Welt an der Waterkant, wobei er sich auch der niederdeutschen Mundart bedient. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben dem erwähnten Roman »Seefahrt ist not«: »Schullengrieper und Tun-genknieper«, »Hein Godewind«, »Ein Schiff! Ein Schwert! Ein Segel!« (das 1934 posthum erschienene Kriegstagebuch).
Hans’ Bruder Jakob Kinau, ebenso Schriftsteller wie der dritte Bruder, Rudolf, wirkt als Herausgeber des Gesamtwerkes von Gorch Fock.
1914 meldet sich der Dichter des deutschen Nordens als Kriegsfreiwilliger. Gorch Fock kommt zum 75. Infanterieregiment nach Bremen und leistet in Rußland, Serbien und Frankreich Fronteinsatz. Aus seinen Aufzeichnungen dieser Zeit:
»Wer ist richtig Soldat? Wer ein Vaterland hat! Deutschlands Schicksal ist auch mein Schicksal. Lieber tot, als ohne Vaterland im Felde stehen. Ich bin stolz und froh, daß ich für eine solche Heimat streiten darf. Daß ich kein gehörnter Siegfried bin, weiß ich freilich auch, aber ich halte die Fahne des Lebens so lange hoch, bis die müden Hände einmal sinken.«
Gorch Fock will auf hoher See für Deutschland kämpfen. Er meldet sich zur Marine. Man gestattet es dem Dichtersoldaten, der am 16. April 1916 an Bord von SMS »Wiesbaden« geht.
Mai 1916: Vor dem Skagerrak in der Nordsee tobt die größte Seeschlacht zweier Kriegsflotten aller Zeiten. Die junge deutsche Hochseeflotte unter Admiral Scheer besteht den Kampf gegen die mächtigste Seestreitmacht der Welt, die seit Jahrhunderten ozeanbeherrschende Grand Fleet der Briten unter Admiral Jellicoe. In diesem Kampf der Giganten stirbt Gorch Fock den Heldentod: Die »Wiesbaden« wird hart getroffen, sinkt aber erst nach 12 Stunden, wobei sie Gegenwehr bis zum bitteren Ende leistet. Am 1. Juni 1916 um 4 Uhr morgens geht das Schiff nach beispiellosem Kampf in die Tiefe. Gorch Fock ist wahrscheinlich schon um 7 Uhr 10 Minuten des Vorabends mit dem niederbrechenden Fockmast in die See geschleudert worden. Doch liegt über den letzten Stunden des Dichters auf ewig das Dunkel der Skagerrakschlacht.
Das 1933 auf den Namen »Gorch Fock« getaufte Schulschiff der deutschen Kriegsmarine fällt nach 1945 den Russen in die Hände. 1958 läuft die neue »Gorch Fock« der Bundesmarine vom Stapel und trägt seither den Namen des Verewigten in alle Welt. |
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