Personenlexikon  
Namenssuche & Volltextsuche:        
   A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z   #   

 

 

FRIEDRICH SPEE VON LANGENFELD

 
     
  (1591 -1635)

Wehe den Fürsten, die, statt Völkerhirten zu sein, die unmenschlichen Greuel unter ihren Schutz nehmen! Wehe den Richtern, die aus den Hexenprozessen ein Vorrecht und eine Erwerbsquelle gemacht haben! Sie sollten die Schuld bedenken, mit welcher ein übereiltes Gottesurteil das Gewissen belastet; sie sollten sich erinnern, daß man mit Menschenblut nicht kurzweilen und Menschenhäupter nicht leichtsinnig wie Kegelklötze hinwerfen dürfe. Wir alle müssen dereinst zum Richterstuhle der Ewigkeit, und wenn dort jedes unnütze Wort verantwortet werden muß, was wird mit solchen blutigen Taten geschehen? Ich sehe, wohin ich mich wenden mag, einen elenden Zustand um mich, wenn nicht diesem Unwesen vorgebaut wird. mit solchen beherzten Worten nimmt Pater Friedrich Spee von Langenfeld gegen den Hexenwahn Stellung, der sich besonders im Dreißigjährigen Krieg wie eine Geistesepidemie ausgebreitet hat. Kopf und Kragen riskierend, ficht Spee gegen das Unrecht, dem Abertausende zum Opfer fallen. Nicht zuletzt seinem Einsatz ist es zu verdanken, daß die Hexenprozesse in Deutschland eingedämmt werden können.

Der Kämpfer gegen Hexenhysterie, Menschenjagd, Folterqualen und Feuertod kommt am 25. Februar 1591 in Kaiserswerth zur Welt. Er ist Sohn eines kurkölnischen Amtmannes und Vogtes. Das Geschlecht wird später mit Maximilian Reichsgraf von Spee einen weiteren Helden des deutschen Volkes hervorbringen.

Friedrich Spee erhält seine geistliche Ausbildung auf dem Jesuitenkolleg und tritt im Jahre 1610 in die Societas Jesu ein. 1621 erfolgt seine Priesterweihe, später wirkt er als Domprediger in Paderborn. Entscheidend sind seine Erfahrungen als Beichtvater für »Hexen« 1627/28 in Würzburg. Mehr als 200 wegen angeblicher Hexerei zum Tode Verurteilten nimmt er die letzte Beichte ab und muß sie zur Hinrichtung begleiten. Er bekundet:

»Kein deutscher Edelmann ertrüge es, wenn sein Jagdhund so gemartert würde. Der Gram hat mein Haar grau gemacht, darüber, daß ich soviel Hexen habe müssen zur Richtstatt begleiten und habe unter allen keine gefunden, die nicht unschuldig war.«

Mit seiner mutigen Kritik an den Exzessen, die seit der Hexenbulle des Jahres 1484 eingerissen und in Deutschland durch die Schwächung des Reiches begünstigt worden sind, macht sich Spee Feinde. Man verlangt seine Bestrafung, und 1629 verüben Unbekannte einen Anschlag auf ihn. Andererseits findet er im Orden auch Verständnis für seinen Einsatz.

1631 erscheint in Rinteln an der Weser Friedrich Spees grundlegende Schrift »Cautio criminalis seu de processibus contra sagas über«, eine bedingungslose Abrechnung mit dem Hexenwahn und ein flammender Appell gegen das furchtbare Unrecht. Das Druckwerk trägt keinen Verfassernamen, doch bekennt sich Spee in aller Öffentlichkeit beherzt zu seiner Urheberschaft.

Als Opfer seiner selbstverleugnenden Menschenliebe muß der erst 44jährige sterben, als er sich bei der Pflege sowie geistlichen Betreuung von Kranken und Verwundeten im französisch besetzten Trier die Pest holt. Er schließt am 7. August 1635 für immer die Augen - als eines von vielen Millionen Todesopfern, die der 30jährige Krieg, das Gemetzel fremder Imperialisten und heimischer Separatisten auf deutschem Boden, fordert.

Auch als Liederdichter hat sich der furchtlose Streiter ausgezeichnet. Vierzehn Jahre nach seinem Tod erscheinen seine von Mystik und Gottesminne erfüllten Gedichte unter dem von ihm selbst gewählten Titel »Trutznachtigall oder geistliches poetisches Lustwäldlein«. Hannswolf Strubel:

»Es spricht eine seelenvolle Tiefe und kindliche Frömmigkeit aus ihnen, wobei sich großes Naturempfinden offenbart. Es besticht allein schon in der Reinheit unserer Muttersprache und in der Vollendung der Form.«

So geht Friedrich Spee, der hochherzige Edelmann, auch in die deutsche Literaturgeschichte ein. Seine »Trutznachtigall« wirkt besonders auf die deutsche Romantik befruchtend. Clemens von Brentano bringt 1817 nochmals eine wörtlich treue Ausgabe zur Auflage, und Karl Simrock gibt im Jahre 1876 eine in »verjüngter« Gestalt heraus.
 
 

 

 

 
 
Diese Seite als Bookmark speichern :
 
 

 

 

 
 
<< vorhergehender Begriff
 
nächster Begriff >>
FRIEDRICH LUDWIG JAHN
 
FRIEDRICH STAPS
 
     

 

Weitere Begriffe : GEORG VON FRUNDSBERG | HANS SELYE | AUGUST VON MACKENSEN
Home |  Neuen Artikel hinzufügen |  Your List |  Tools |  Become an Editor |  Tell a Friend |  Links |  Awards |  Testimonials |  Press |  News |  About
Copyright ©2008 PERSONENLEXIKON4U LLC. All rights reserved.  Terms of Use  |  Privacy Policy  |  Contact Us    



filtered