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MAXIMILIAN REICHSGRAF VON SPEE

 
     
  (1861 -1914)

Es herrscht eine grobe See, und in dem starken Nordwest schlingern die Kreuzer, daß manchmal das gurgelnde Wasser bis in die Geschützstellungen dringt. Um die Mittagszeit ist es ein kleiner Sturm geworden. Selbst die großen Panzerkreuzer beginnen jetzt zu stampfen und zu rollen. Die Artillerie, die heute treffen will, muß schon etwas wie das Ideal unter den Schützlingen der heiligen Barbara darstellen. Minuten vielleicht nur noch, und an der Kimmung wird der Feind erscheinen. Jeder Mann des Geschwaders weiß, daß es jetzt mit voller Kraft »ran an den Engländer« geht. Windstärke 6 wird gemessen. Was die Kessel noch an Kraft hergeben können, wird herausgepreßt. Mit einer weißen Schaumwolke vor dem Bug wühlt sich die »Scharnhorst« durch das Meer. Ran an den Feind!

So beschreibt Clemens Laar in seinem Bericht »Die grauen Wölfe des Grafen Spee« die Augenblicke vor dem Ausbruch des Kampfes bei Coronel. Dem deutschen Geschwaderkommandanten Maximilian Reichsgraf von Spee gelingt es, dort vor der chilenischen Küste dem seit Jahrhunderten weltmeerbeherrschenden britischen Empire die bis dahin schwerste Niederlage zur See beizubringen.

Geboren am 22. Juni 1861 in Kopenhagen, entstammt der Reichsgraf einem niederrheinischen Geschlecht, das mit dem heldenmütigen Bekämpfer des Hexenwahns, Spee von Langenfeld, schon einen besonders bedeutenden Deutschen hervorgebracht hat.

Maximilian von Spee tritt als 17jähriger in die Kaiserliche Marine ein und wird 1884 Wachoffizier auf der »Möwe«. An Bord dieses Schiffes nimmt er am friedlichen Erwerb der deutschen Kolonien in Westafrika teil. Auch die Erringung deutscher Schutzgebiete im Südwestpazifik erlebt er - auf dem Panzerschiff »Deutschland« -direkt mit. 1910 erfolgt seine Beförderung zum Konteradmiral, 1912 zum Chef des deutschen Kreuzergeschwaders in Ostasien, 1913 zum Vizeadmiral.

Nach Ausbruch des Krieges 1914 entschließt sich Spee, mit seinem Geschwader über die Südspitze Amerikas in den Atlantik durchzubrechen. Auf diesem Marsch entläßt er die »Emden« zu ihrer weltberühmten Kaperfahrt aus seinem Verband und schaltet unter anderem die wichtige feindliche Kabelstation auf den Fanning-Inseln aus, wie er auch die Kohlenstation von Papeete auf Tahiti vernichtet.

Am 1. November 1914 trifft er bei Coronel vor der chilenischen Küste auf ein etwa gleichstarkes englisches Geschwader. In mehrstündigem schweren Gefecht gelingt es Spee und seinen in der Schießkunst unübertroffenen Leuten, den englischen Panzerkreuzer »Good Hope« und den Kleinen Kreuzer »Monmouth« zu vernichten. Coronel zeigt erstmals, daß Britannien zur See nicht unbesiegbar ist.

Die britische Führung ist entsetzt. Nun hat eine gigantische Flotte den Befehl, Spee auszuschalten: Ein ungeheures Aufgebot von englischen, französischen, russischen, japanischen, kanadischen Schlachtschiffen, Panzerkreuzern, Linienschiffen, Kanonenbooten, Zerstörern, Hilfskreuzern, U-Bootflottillen und ein unübersehbares Heer von Küstenwachschiffen machen Jagd auf die fünf Kreuzer des deutschen Geschwaders.

Spee könnte sich in die Internierung des neutralen südamerikanischen Chile begeben, um seine Haut zu retten. Doch weicht er nicht dem weiteren Kampf gegen den Feind aus.

Am 8. Dezember 1914 ist es erneut soweit. Vor den Falklandinseln wird eine furchtbare Seeschlacht ausgefochten. Diesmal ist der Feind ums Vielfache überlegen. Heinz Möller-Witten berichtet:

»Graf Spees und seiner Schiffe Schicksal erfüllt sich. Die >Scharnhorst< sinkt nach dreistündigem Kampf mit ihrem Admiral an Bord. Zwei Stunden später geht auch die >Gneisenau< unter, mit ihr der jüngere Sohn des Admirals, Heinrich, 21 Jahre alt. Dessen älterer Bruder Otto, 24 Jahre, geht - nachdem er vorher seiner bei Coronel erlittenen schweren Verwundung erlegen war - mit der >Nürnberg< in die Tiefe des Meeres, vorher schon S.M.S. >LeipzigDresdens Dieses Schiff wird später in neutralen Gewässern Opfer eines englischen Überfalls.«

Wie der Reichsgraf und seine Söhne gehen über 2000 deutsche Seesoldaten in der Schlacht vor den Falklandinseln mit wehender Flagge unter.

Sir Frederick Charles Doveton Sturdee, Chef der gewaltigen englischen Flotte, die den deutschen Admiral gestellt und vernichtet hat, über den Grafen Spee und seine Kameraden:

»Sie zeigten die großartigste Leistung, die je in der Geschichte des Seekriegs vollbracht worden ist.«
 
 

 

 

 
 
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