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EDUARD DIETL

 
     
  (1890 -1944)

Wer Generaloberst Dietl kennenlernt, ist von seiner Persönlichkeit tief beeindruckt. Schon die hagere, durchtrainierte Gestalt läßt den Typ des wetterharten, zähen und naturverbundenen deutschen Alpinisten und Gebirgsjägers erkennen. Seine Schlichtheit und Geradheit, seine Kameradschaftlichkeit und Gutherzigkeit, die sich in rauher Schale verbergen, seine Vaterlandsliebe und sein urwüchsiger, oft grimmiger, in seiner oberbayerischen Stammesart wurzelnder Humor sind besondere Merkmale seiner Wesensart. Seine spartanische Lebensführung macht es ihm zur Pflicht, stets mit dem einfachen Mann zu leben und Vorbild zu sein. Er stellt an seine »Jager« hohe Anforderungen, an sich selbst jedoch die höchsten. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht anstregende Märsche durch Eis und Schnee über Berge und Geröllhalden an die entle-’ gensten und vordersten Frontabschnitte macht. Seine Adjutanten müssen häufig ausgewechselt werden, da sie sein Marschtempo nicht durchhalten. Jegliche Überheblichkeit ist seiner Natur zuwider.

So schildert der Zeitgeschichtler Wolfram Mallebrein Erscheinung und Wesen des deutschen Gebirgsjägergenerals Eduard Dietl. Vor allem sind er und seine Männer wegen der heldenhaften Verteidigung des norwegischen Narvik gegen den vielfach überlegenen Feind berühmt geworden: Dort steht 1940 eine kleine deutsche Truppeneinheit unter Dietl ohne schwere Waffen und ohne Troß in Schneelöchern gegen eine zehnfache Übermacht feindlicher Heeres-, Marine- und Luftstreitkräfte in wochenlang hin- und herwogendem Kampfe. Die Deutschen behaupten sich; es ist ein entscheidender Beitrag zur erfolgreichen Eroberung Norwegens, mit der die Wehrmacht den Briten nur um Haaresbreite zuvorkommt. Churchill wird später in seinen Kriegserinnerangen dem deutschen Helden von Narvik Hochachtung zollen. Eduard Dietl, geboren am 21. Juli 1890, ist der älteste Sohn eines Rentamtmannes im bayerischen Bad Aibling. Er tritt in das 5. Kgl. Bayerische Infanterie-Regiment als Fahnenjunker ein, macht den Ersten Weltkrieg von Anfang bis zum Ende bei den »Fünfern« an der Front mit und wird dreimal verwundet. 1918 tritt Dietl in das Freikorps Epp ein; seine Kompanie befreit München-Giesing von der Roten Armee. Der im Frontdienst bewährte Hauptmann wird in das Reichsheer der Weimarer Republik übernommen.

Nach der Wiedervereinigung mit Österreich, 1938, befehligt Dietl, nun Generalmajor, die 3. Gebirgsdivision in Graz, die er im Polenfeldzug und beim Einsatz im Westen führt. Dann wird er ausersehen, 1940 bei der Besetzung Norwegens Hand auf Narvik zu legen und damit den riskantesten Angriff über die Nordsee in den Hohen Norden zu vollziehen. Der Sieger von Narvik erhält das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes - als erster Soldat der Wehrmacht.

An die Ostfront kommt Dietl als Kommandierender General des Gebirgskorps Norwegen. Um die Wende 1941/42 wird er mit dem Kommando über die Lappland-Armee (20. Gebirgsarmee) betraut. Unentwegt ist er an den Brennpunkten des Kampfes, zu Fuß und auf Skiern. Nicht nur bewährt er sich als Truppenführer in arktischer Zone. Er ist auch ein ausgezeichneter Sachwalter deutscher Interessen im deutsch-finnischen Koalitionskampf. Finnlands Staatsführer Marschall Mannerheim:

»Dietl war eine gewinnende Persönlichkeit, die auf unsere Anschauungen und Wünsche Rücksicht nahm. Durch sein natürliches, ritterliches Wesen erwarb er sich in Finnland viele Freunde und unter der lappländischen Bevölkerung große Volkstümlichkeit.«

Beim Flug zu einer Führerbesprechung verunglückt der beliebte und tapfere General am 23. Juni 1944 durch Flugzeugabsturz im Gebiet des Hochwechsels in der Steiermark tödlich. Die Berge, die er über alles liebte, hatten ihn zur Großen Armee geholt. Dem neben Rommel wohl volkstümlichsten deutschen Armeeführer des Zweiten Weltkrieges werden posthum die Schwerter verliehen.

Selbst vom Umerziehungsgeist geprägte Nachschlagewerke der 70er und 80er Jahre stellen Dietl gute Zeugnisse aus: »Jedem politischen Fanatismus abgeneigt, humorvoll-menschlicher Truppenführer« (Großes Lexikon des Dritten Reiches). »Dank seiner Schlichtheit und Urwüchsigkeit bei seinen Soldaten beliebt« (Brockhaus-Enzyklopädie).
 
 

 

 

 
 
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