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PRINZ EUGEN VON SAVOYEN

 
     
  (1663 -1736)

Bey der Parole thät er befehlen, / Daß man solt die Zwölfe zählen / Bey der Uhr um Mitternacht: / Da solt alls zu Pferd aufsitzen, / Mit dem Feinde zu scharmützen, / Was zum Streit nur hätte Krafft. Alles saß auch gleich zu Pferde, / Jeder griff nach seinem Schwerdte, / Gantz still ruckt man aus der Schantz;/ Die Musquetier, wie auch die Reiter / Thäten alle tapffer streiten: /Es war fürwahr ein schöner Tantz Ihr Konstabier auff der Schantzen, / Spielet auff zu diesem Tanzen! Mit Karthaunen groß und klein, / Mit den grossen, mit den kleinen, / Auff die Turcken, auff die Heyden, / Daß sie lauffen all davon. Prinz Eugenius wohl auf der Rechten / Thät als wie ein Löwe fechten, / Als General und Feldmarschall. / Prinz Ludewig ritt auff und nieder: / »Halt euch brav, ihr deutschen Brüder, / Greifft den Feind nur hertzhaft an!«

Aus dem Volkslied vom Prinzen Eugen, dem edlen Ritter. Es ist die Hymne auf eine der verwegensten, gewaltigsten Gestalten abendländischer Geschichte, den Bändiger zweier Weltimperien - Frankreichs unter dem Sonnenkönig, des Osma-nenimperiums unter dem Sultan -, den Mehrer des Reiches, den Mann unvergleichlichen Feldherrengenies, überragender Staatskunst, großartiger Kunstsinnigkeit: Eugen von Savoyen. Seine furiosen Siege über Franzosen und Türken haben auch wesentlich zum Neuerwachen des Nationalbewußtseins der Deutschen beigetragen.

Er kommt am 18. Oktober 1663 in Paris als Sproß einer savoyischen Herzogsfamilie zur Welt. Savoyen, das Land zwischen Genfer See, Rhone und der Mont-Cenis-Grup-pe mit dem Mont Blanc, der höchsten Berggruppe Europas, ist fast acht Jahrhunderte lang Teil des Deutschen Reiches. Erst 1860 wird es französisch.

Eugen paßt nicht zum Hofe des Sonnenkönigs, und er paßt dem Hofe nicht. Verlumpt und verdorben wie ein Straßenbengel sei er, heißt es in Versailles über ihn, er verspreche nichts Gutes. Als ihm König Ludwig XIV. den Wunsch verweigert, in die Armee eintreten zu dürfen, weil er für den geistlichen Stand bestimmt sei, meldet sich Eugen 1683 zu den Fahnen des deutschen Kaisers Leopold. Sogleich bewährt er sich in der Schlacht am Kahlenberg bei Wien gegen die Türken.

Der glänzende Sieg bei Zenta 1697 über ein zahlenmäßig weit überlegenes Türkenheer begründet Eugens FeldheiTenruhm. Auf Starhembergs Empfehlung überträgt man ihm den Oberbefehl im Türkenkrieg. Sieg auf Sieg heftet er an Habsburgs Fahnen. Dank dieser überragenden Leistungen des Prinzen Eugen erreicht das Habsburgerimperium die größte Ausdehnung der Geschichte, wird das Abendland von der Türkenplage befreit und die Gefahr gebannt, daß sich der Franzosenludwig zum Zwingherrn des ganzen Kontinents aufschwingt.

Typisch für den Ritter ohne Furcht und Tadel: Als ihn einer seiner Generale vor der Schlacht von Belgrad auf die brenzlige Lage aufmerksam macht, versetzt Eugen: »Pah, eines von beiden geschieht gewiß: Entweder nehme ich Belgrad oder die Türken nehmen mich.« Eugen nimmt Belgrad. Es wird sein größter Triumph. »Prinz Eugen, der edle Ritter! / Hei, das klang wie Ungewitter / weit ins Türkenlager hin« (Freilig-rath).

Prinz Eugen wird nicht weniger als neunmal im Felde verwundet. Zweimal als Oberst vor der Festung Ofen, dreimal als Feldmarschalleutnant (bei Belgrad wider die Türken, bei Mainz und in der Dauphine im Kampfe gegen die Franzosen) und - sage und schreibe - viermal als Feldmarschall.

Bei Malplaquet, anno 1709, trifft ihn, als er die wankenden Reihen gegen den Feind [fuhrt, ein Streifschuß am Kopf. Man beschwört ihn, sich doch verbinden zu lassen. )och er stopft nur sein sich rasch blutrotfärbendes Schnupftuch unter den Hut, ruft »Wenn ich jetzt fallen sollte, ist mein Verband unnütz, wenn ich aber am Leben bleibe, ist noch heut abend Zeit genug« und stürmt weiter im heftigsten Feuer. »Ich hab das Herz eines Deutschen für meine Freunde«, bekennt der Savoyer. In fördert er wie kein zweiter Kunst und Wissenschaft.

Prinz Eugen verstirbt am 21. April 1736 zu Wien. Seine sterbliche Hülle wird im Stephansdom beigesetzt. Eine Grabstätte - wahrhaft seiner würdig!
 
 

 

 

 
 
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