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(1882 -1915)
»Torpedos klar!« Das Kommando tönt: »Achtung! Torpedobeschuß!« Weddigen sieht einen englischen Kreuzer dicht vor sich, auf ein paar hundert Meter. »Los!« Das Boot erzittert. Der Torpedo ist hinaus und sirrt durch das Wasser. Dann ein harter Krach voraus, wie wenn der Schmiedehammer auf die Eisenplatte schlägt. Durch das Boot ein Schrei aus deutschen Kehlen: »Hurra!« Weddigen steht am Sehrohr. Der Torpedo hat die Panzerplatte des Kreuzers gesprengt, er ’ hat ein gewaltiges Loch in seinen Rumpf gerissen. Das mächtige Schiff sinkt. Schon kommen die beiden anderen Kreuzer herbei. Weddigen schießt auch auf sie seine Torpedos. Der zweite Feind legt sich auf die Seite, versinkt binnen weniger Minuten in die Tiefe. Mit dem letzten Torpedo versenkt Weddigen den dritten englischen Kreuzer. Das Tauchboot U 9 fährt stolz in seinen Heimathafen. Ganz Deutschland jubelt über den Sieg
Bericht von Wilhelm Kotzde-Kottenrodt über den mächtigen Schlag, den das deutsche U-Boot U 9 am 22. September 1914 unter Kapitän Otto Weddigen bei seiner 3. Operation dem weltmeerbeherrschenden britischen Empire versetzt: In nur 75 Minuten versenkt U 9 vor der holländischen Küste in der Nordsee gleich drei englische Panzerkreuzer, die »Aboukir«, die »Hogue«, die »Cressy«. Ein sagenhafter Erfolg, den bis dahin niemand für möglich gehalten hat. U 9 erhält die Berechtigung, das EK zu führen. Weddigen wird Ehrenbürger seiner westfälischen Vaterstadt und am 24. Oktober 1914 mit dem Pour le Merke ausgezeichnet.
Als elftes und jüngstes Kind eines Kaufmanns und Stadtrates erblickt Otto Weddigen am 15. September 1882 in Herford das Licht der Welt. Fast genau sieben Jahre zuvor ist unweit, auf der Grotenburg im Teutoburger Wald, das Hermannsdenkmal als Sinnbild deutscher Einheit und Kraft feierlich eingeweiht worden.
Weddigen macht 1901 Abitur und tritt danach in die Kaiserliche Marine ein. 1904 finden wir ihn als Leutnant zur See, 1906/07 auf einem Flußkanonenboot der ostasiatischen Station in Tsingtau.
1908/09 absolviert Weddigen eine U-Boot-Ausbildung. 1910 erhält er sein erstes U-Boot-Kommando. Er hat fortan an der Entwicklung der deutschen Tauchboot-Waffe erheblichen Anteil. Im Oktober des Jahres 1911 übernimmt er das Kommando von U 9, mit dem er die ersten spektakulären Erfolge deutscher U-Boote erringt.
Nach dem Paukenschlag des 22. September 1914 vor der holländischen Küste mit Vernichtung dreier englischer Kreuzer gelingt es dem todesmutigen Weddigen und seinen Kameraden, auch den britischen Kreuzer »Hawke« für alle Ewigkeit in die Tiefe zu zwingen. Der Kommandant von U 9 ist der erste Seeoffizier, dem der Kaiser und König den Pour le Merite, die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, verleiht.
Am 13. Februar 1915 übernimmt Weddigen U 29. Nun führt er Handelskrieg. Einen Monat später, am 11./12. März 1915, gelingt dem Ritter der Tiefe der größte Erfolg dieser Unternehmung: Er versenkt die britischen Dampfer »The Headlands«, »Indian City«, »Andalusian« und den französischen Dampfer »Auguste Conseil« und beschädigt den britischen Dampfer »Adenwen« im Kanal schwer.
Zwei Tage später, am 14. März 1915, steht U 29 westlich von Irland. Hier setzt Weddigen den bewaffneten britischen Dampfer »Atalanta« außer Gefecht. Bei allen Aktionen im Handelskrieg achtet der deutsche Kapitän darauf, daß Menschenleben geschont werden. Es ist tatsächlich kein Toter zu beklagen.
Am 18. März 1915 wird Weddigens Boot bei einem Angriff auf die britische Grand Fleet vor den Orkneys vom englischen Schlachtschiff »Dreadnought« gerammt und geht mit Mann und Maus für immer in die Tiefe. 61 Jahre später findet man vor dem Moray Firth ein Wrack: mit hoher Wahrscheinlichkeit die Überbleibsel von U 29.
Beim Bekanntwerden des Soldatentodes Weddigens widmen englische Blätter 1915 dem Ritter der Tiefe faire Nachrufe. Die nordamerikanische Zeitung New York World schreibt:
»Der jetzt von der deutschen Admiralität zugegebene Tod des Kapitänleutnants Weddigen wird in den USA ein ebenso aufrichtiges Bedauern hervorrufen wie in Deutschland. Ein junger Mann von nur 32 Jahren, war er ein Beispiel aller der Eigenschaften, die ein Seeoffizier besitzen soll. In ihm vereinigten sich die Kühnheit und die wissenschaftliche Tüchtigkeit. Er war ein furchtbarer, aber ehrlicher Kämpfer. Verehrt und geliebt von seinen Landsleuten, geachtet von seinen Feinden, bewundert von geradedenkenden Männern und Frauen der ganzen Welt, gereicht seine Laufbahn und ihr Abschluß seinem Vaterland zum Ruhm.« |
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