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(1873 -1923)
Die allerkühnste Unternehmung ist der Überfall im Hafen von Pen ang auf dem malaiischen Archipel. In ihn kann man nur durch einen engen Einfahrtsschlauch gelangen. Aus 200 m Entfernung wird in dem mit Schiffen vollgepfropften Hafen der russische Kreuzer »Tschemschuk« durch Feuerüberfall mit der Artillerie und durch 2 Torpedos vernichtet. Die Überraschung ist so vollkommen, daß »Emden« fast unbehelligt aus dem Hafen wieder auslaufen kann. Draußen läuft ihr sogar noch der französische Zerstörer »Mosquet« in die Anne und sein Schicksal. Diese kühnen Taten lassen die Welt aufhorchen und lösen uneingeschränkte Bewunderung aus. Die Legende der »Emden« und ihres einzigartigen Kommandanten läuft um die Welt. Mit heißen Wünschen und voller Stolz verfolgt die Heimat den Weg des mutigen Kleinen Kreuzers.
Das sind Worte von Kapitän zur See Meisner, Kommandant der »Emden 3«, zu Ehren des kühnen Kaperfahrers Karl von Müller und seiner Kameraden. Die Namen der »Emden«, des ersten Schiffes, das so hieß, und ihres Kommandanten haben sich mit ehernen Lettern neben den größten Seehelden aller Zeiten mit ihren Schiffen in das Buch der Geschichte eingetragen. Für die seebeherrschenden Briten ist dieser Feind, der wie ein Geist aus dem Nichts auftaucht und ihnen mächtige Hiebe versetzt, im Ersten Weltkrieg der Schrecken der Indischen See.
Als Sohn eines Gendarmerie-Brigadiers und späteren Oberst kommt Karl von Müller am 16. Juni 1873 in Hannover zur Welt. 1888 geht er zur Kadettenanstalt Plön, drei Jahre später tritt er in die Kaiserliche Marine ein. Von 1898 bis 1900 dient Müller in Ostafrika, von 1909 bis 1912 ist er im Reichsmarineamt zu Berlin tätig. Zu Anfang 1913 endlich hat er das ersehnte eigene Kommando: Er befehligt den in Ostasien stationierten Kleinen Kreuzer »Emden« (3670 Tonnen); im Mai 1914 erfolgt Müllers Beförderung zum Fregattenkapitän.
Auf Karl von Müllers Bitte entläßt Graf von Spee die »Emden« aus der Ostasienflotte der Kaiserlichen deutschen Marine, damit sie im südlichen Stillen Ozean, vor allem aber im Indik, Handelskrieg führen kann. Gleich in der ersten Nacht des Krieges hatte die »Emden« in der Straße von Tsuschima den modernen und schnellen russischen Handelsdampfer »Rjesan« aufgebracht.
Die Silhouette des Schiffes mit einer Schornsteinattrappe aus Segeltuch und Holzbalken getarnt, geht von Müller auf erfolgreiche Kaperfahrt. Er stört empfindlich die britischen Handelswege. Als den »de Wet des Meeres« bezeichnen englische Blätter den deutschen Kapitän - in Erinnerung an Albions gefährlichsten Gegner im Burenkrieg. Neben der Vernichtung der »Tschemschuk« und der »Mosquet« gelingt es von Müller, 23 Handelsschiffe mit 101 000 BRT aufzubringen. Wobei er stets darauf bedacht ist, Menschenleben, wenn immer möglich, zu schützen. Die Besatzungen der gekaperten und versenkten feindlichen Schiffe läßt er in Sicherheit bringen.
Ein besonders kühner Streich ist auch die erfolgreiche Beschießung der Öltanks von Madras aus nur 3000 Metern Entfernung; ein Ereignis, das tiefen Eindruck auf die Inder macht und ihren Glauben an die Allmacht Englands nachhaltig erschüttert.
Engländer, Franzosen, Japaner setzen zahlreiche Schiffe zur Jagd auf die gefürchtete »Emden« ein. Mehrfach melden englische Zeitungen voreilig die Vernichtung des Schreckens der Indischen See. Dann läutet doch das Totenglöckchen des legendären Schiffes. Nach 30 000 Seemeilen Kreuzerfahrt fällt die »Emden« am 9. November 1914 in zweistündigem Kampf vor den Kokosinseln dem weit überlegenen britischen Kreuzer »Sydney« zum Opfer. 6 Offiziere, 26 Unteroffiziere, 93 Mann der »Emden« sind im Endkampf gefallen, von Müller muß in Gefangenschaft gehen.
Kapitänleutnant von Mücke von der »Emden« jedoch, zuvor an Land gegangen, um eine englische Funkstation zu zerstören und gezwungen, tatenlos der Vernichtung des deutschen Kreuzers aus der Ferne zuzusehen, gelingt mit seinen 47 Mann eine tollkühne Flucht. Sie nehmen den Schoner »Ayesha« in Beschlag und erreichen nach mehrmonatiger Odyssee über das Meer und quer durch Arabien mit letzter Kraft die Hauptstadt der mit Deutschland verbündeten Türkei, Konstantinopel.
Karl von Müller wird mit dem Pour le Merite ausgezeichnet, nimmt am 11. Januar 1919 seinen Abschied, wirkt als deutschnationaler Abgeordneter im Landtag von Braunschweig und stirbt in der Stadt Heinrichs des Löwen am 11. März 1923. Deutsches Soldatenjahrbuch 1973:
»Als einer der großen Kreuzerführer ist von Müller nicht nur in die deutsche Seekriegsgeschichte eingegangen, sondern auch in die der angelsächsischen Länder«. |
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