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COMTE DE BUFFON und die Histoire Naturelle. Lebensdaten: 1707 - 1788. 1749 wurde der erste Band der L'Histoire naturelle veröffentlicht; Autor war der Direktor des königlichen jardin des Plantes in Paris, Comte GeorgesLouis Leclerc de Buffon. In den nächsten vier Jahrzehnten erschienen vierundvierzig weitere Bände, acht davon erst nach dem Tod des Autors. Obwohl nicht alle Erkenntnisse auf eigenen Forschungen beruhen und vieles mit Spekulationen durchsetzt ist, wurde Buffon durch seine Histoire Naturelle zu einer Schlüsselfigur in der Entwicklung der Biologie. Buffon machte sich Newtons Grundsätze zu eigen, entwickelte eine Weltsicht, die auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruhte und auf Wunder und die biblische Chronologie völlig verzichten konnte. Er untersuchte die großen Themen der Naturgeschichte und stellte die überkommenen Dogmen, die das Alter des Kosmos bis hin zur Entwicklung der Tierarten berühren, in Frage. Biologie, Zoologie, Geologie, Anthropologie und Kosmogonie, alles findet sich in Buffons großem Werk, das auch stilistisch und literarisch von einigem Wert ist. Sein oft zitierter Sinnspruch »Genie ist nur eine große Begabung zur Geduld« erinnert an ISAAC NEWTON. George-Louis Leclerc Buffon wurde am 7. September 1707 in Montbard in Burgund als Sohn von Benjamin Leclerc und Anne Christine Marlin geboren. Die wohlhabende Familie gehörte der aufstrebenden Bourgeoisie an. Aufgrund der Herkunft seiner Frau stieg Benjamin Franois zum Grafen von Buffon und Montbard auf und fungierte als Ratgeber im burgundischen Parlament. GeorgeLouis besuchte in Dijon eine Jesuitenschule, wo er sich - außer in der Mathematik - nicht besonders hervortat. Sein Vater wollte, daß er Jura studiere, Buffons Interessen jedoch gehörten den Naturwissenschaften. 1728 immatrikulierte er sich an der Universität in Angers, wo er Medizin, Mathematik, Astronomie und Botanik studierte. Nachdem er 1730 in ein Duell verwickelt wurde, mußte er seine Studien unterbrechen und Frankreich verlassen. Er durchreiste die Schweiz, Italien und England, wo er sich von den britischen Naturwissenschaftlern beeindruckt zeigte. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich - seine Mutter war inzwischen gestorben - mußte er sehr zu seiner Verärgerung feststellen, daß sein Vater Anspruch auf Besitztümer in Montbard legte, die auf ihn hätten übergehen sollen. Aus dem anschließenden Gerichtsstreit ging Buffon siegreich hervor, die Beziehung zu seinem Vater aber war zerstört und beide sprachen ihr Leben lang kein Wort mehr mit einander. Buffons Karriere allerdings kam es zugute, dem nun verfügte er über die finanzielle Unabhängigkeit, die, es ihm erlaubte, seine wissenschaftlichen Ziele weiter zu verfolgen. Zu Beginn der 30er Jahre veröffentlichte er Abhandlungen über die Zugfestigkeit von Holz, das zum Bau vor Kriegsschiffen verwendet wurde, und schrieb ein Essa) über die französische Lotterie, in dem er Newton: Wahrscheinlichkeitsrechnung anwandte. Sein Ansehen wuchs, 1734 wurde er zu einem beigeordneten Mitglied der Acadimie Royale gewählt (später wurde er ein volles Mitglied), sechs Jahre später in die British Royal Society auf genommen. Seine wichtigste Beförderung kam 1739, als ei zum Direktor des Jardin du Roi ernannt wurde; eine Position, die die Aufsicht über die königlichen Museen, Gärter und Tiermenagerien miteinschloß. Damit begann seir ambitioniertestes Projekt. Die Histoire naturelle, ginirale et particuliere, zu ihrer Zei ein großer Erfolg, bildet mit Diderots Enzyklopädie einer der Grundpfeiler aufklärerischen Denkens. Im ersten Band Discours sur la maniere d'itudier et de traiter l'histoire naturelle macht Buffon seine Absicht deutlich, die Gesamtheit der Natur zu untersuchen, angefangen von der Entstehung der Erde bis hin zu den Tierarten, die sie bewohnen. Dabe unterscheidet er strikt zwischen Naturgeschichte und religiö. ser Naturanschauung und widersteht selbst in den Teilen, ir denen er sich Spekulationen hingibt, übernatürlichen oder göttlichen Erklärungsmustern. Indem er Gott und jede: teleologische Denken aus seiner Naturgeschichte ausschloß tat er einen wichtigen, notwendigen Schritt hin zu einem wissenschaftlichen Verständnis der Welt. Von den vielen Themengebieten, die Buffon ansprach sind auch heute noch einige relevant. Dazu gehört seine Definition der Tierart, die er als »Gruppe« bezeichnete, die sich »untereinander fortpflanzt«, ein Kriterium, das er experimentell hergeleitet hatte und die der heutigen, von der Evolutionsbiologie gebrauchten Definition nahekommt. Buffon war ein Gegner des schwedischen Botanikers CARL LINNAEUS, dessen Klassifikationssystem er als künstlich empfand. Der interessanteste Aspekt an Buffons Theorie aber ist, daß er sie stufenweise entwickelt hatte. Dazu mußte er erst seine frühe nominalistische Vorstellung aufgeben, der zufolge die Natur eine große Melange ist, die durch den Menschen erst geordnet wird, indem er Bezeichnungen. Signaturen vergibt. Ein weiterer, heute noch interessanter Gedanke Buffons betrifft seine kosmologischen Spekulationen und das Alter der Erde. Nachdem er ursprünglich von einem Alter von 75 000 Jahren ausgegangen war (viel älter, als es die biblischen Geschichten erlauben), datierte er später die Erde auf 3 000 000 Jahren. Gemäß seiner kosmologischen Theorie bildete sich die Erde aus einem gasförmigen Urzustand und durchlief dann mehrere Stadien, bis sie ihren heutigen Zu. stand erreichte. Tierisches Leben sei schon vorhanden gewesen, bevor sich die Kontinente gebildet hatten, behauptete Buffon und führte zum Beweis fossile Überreste an. Vorsicht ist anzuraten, wenn man Buffon als Vorgänger der modernen Geologie oder Biologie bezeichnen möchte Große Teile seines Werks beruhen auf fremden Beobachtungen und Theorien, zudem besaß er nicht Darwins feine: Gespür für Differenzierungen. Sein Einfluß auf die Wissenschaft seiner Zeit aber war groß. »Fast alle gebildeten Perso nen waren mit seinem Werk vertraut«, schrieb die Zoologin und Historikerin Janet Browne. »Fast alle Naturwissenschaftler und Naturphilosophen spürten, daß er erfolgreich den Weg gewiesen hatte, dem die Wissenschaften in den Jahrhundert nachfolgten.« Sein Einfluß ist mit dem vor WILLIAM HERSCHEL zu vergleichen, dessen Beobach tungen zwar längst obsolet geworden sind, aber gleichsam der Bahn eingeschrieben sind, die die Wissenschaft genommen hat. |
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