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HEINRICH II. VON SCHLESIEN

 
     
  (1191 -1241)

Die Mongolenschlacht auf der Wahlstatt bleibt, auch wenn ihr kein augenfälliger Abwehrerfolg beschieden ist, dennoch ein Beispiel mutigen und opferbereiten Einsatzes für die höheren Werte der Freiheit und damit ein Ruhmesblatt in der abendländischen Geschichte, dem die uneingeschränkte Achtung gebührt. Herzog Heinrich, der mit seinen Mitstreitern getreu das Leben hingegeben und den die Sage zum»schlesischen Leonidas« erhoben hat, verdient einen Ehrenplatz in der europäischen Geschichte.

So würdigt das Deutsche Soldatenjahrbuch 1991 den 750. Jahrestag der Schlacht auf der Wahlstatt bei Liegnitz: Schlesienherzog Heinrich hat sich mit einem materiell wie personell weit unterlegenen Heer dem gigantischen Haufen des Enkels von Dschingis-Khan entgegengeworfen. Er geht als schlesischer Leonidas in die Ewigkeit ein, weil er - wie weiland der König von Sparta bei den Thermopylen - den Opfertod im heroischen Kampfe findet.

Heinrich, wegen seiner Glaubensfestigkeit auch als »der Fromme« in den Annalen der Zeitgenossen genannt, wird im Jahre 1191 geboren. Es ist die Zeit, da das Deutsche Reich noch als Vormacht das Abendland beherrscht, doch wegen inneren Zwistes und imperialistischer Übergriffe von außen bereits geschwächt ist.

Sein Vater Heinrich L, der Bärtige, aus dem Geschlecht der Piasten, das viele bedeutsame Herrschergestalten Polens stellte, hat - wie es schon seit vielen Generationen der Fall war - eine deutsche Fürstin heimgeführt. Es ist die berühmte heilige Hedwig aus dem Haus Andechs-Meranien, die Schutzpatronin Schlesiens. In den Adern des schlesischen Leonidas fließt damit zu sieben Achteln deutsches Blut. Seit Anfang des 13. Jahrhunderts sind die schlesischen Herzöge innerhalb des Hoheitsgebietes des Deutschen Reiches von Polen unabhängige Regenten.

1222/23 nimmt der spätere Held von Liegnitz am Kreuzzug seines Vaters gegen die heidnischen Prußen teil, 1226 wird er Mitregent in Schlesien, zwölf Jahre später tritt er die Regierung im Herzogtum an.

Bald ziehen im Osten furchtbare Gefahren auf. Wie so oft schon droht aus den gewaltigen Weiten Asiens dem Abendland der Todesstoß. Diesmal sind es die Tataren, die - eine breite Schneise der Verheerung schlagend - sich anheischig machen, Europa zu überrennen, zu unterwerfen und auszuplündern.

Schon ist es den Enkeln des Dschingis-Khan gelungen, die Russen zu besiegen und deren Land ihrem Riesenreich einzuverleiben. 1238 ist Moskau gefallen, 1240 Kiew. Jetzt stehen die Tataren an der Pforte zum Deutschen Reich.

Herzog Heinrich IL rüstet zum Schicksalskampf für das Abendland. Am 9. April 1241 stellt er sich bei Liegnitz in Schlesien mit 10 000 Mann den drei- bis viermal überlegenen mongolischen Reiterheeren entgegen. Das Heer Heinrichs besteht aus schlesischen Rittern, Resten der Krakauer Ritterschaft, Templern, Johannitern, Deutschordensrittern sowie Bürgern und Bauern Schlesiens, verstärkt mit polnischen Rittern.

Zwar verliert Heinrich Schlacht und Leben - wie auch viele tausend seiner Mitkämpfer - doch bremst der für die Tataren äußerst verlustreiche Kampf den Angriffsschwung der Asiaten. Als bald darauf die Nachricht vom Tode des Großkhans eintrifft, ziehen sie sich in die russischen Weiten zurück. Mitentscheidend für Heinrichs Untergang war auch, daß Kaiser und Papst - statt zu helfen - sich in der Ferne mit Waffengewalt befehdeten.

Heinrich wird im Chorraum der Vinzentiuskirche zu Breslau vor dem Hausaltar bestattet; seine Mutter - die heilige Hedwig - setzt nach dem Mongolensturm umso beherzter die Ansiedlung deutscher Bauern und Bergleute, Handwerker und Kaufleute fort.

Von der unbändigen Kraft des Deutschtums im Osten zeugt, wie Breslau die tatarischen Verheerungen überwindet: Noch binnen Jahresfrist erhebt sich die Stadt

1242 wieder aus der Asche.
 
 

 

 

 
 
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