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(16 V. CHR. - 21. N. CHR.)
In einer mondhellen Sommernacht treffen sich die Führer des Bundes im uralten Sonnenheiligtum des Volkes tief im Teutoburger Walde, wohin kein Römerspäher gelangt. Armin schildert ihnen seinen Plan, wie er die germanischen Heerhaufen gegen das Römerlager einsetzen, es in den Schluchten des Waldgebirges einkreisen und von allen Seiten erdrücken will. leder bekommt seine genauen Anweisungen. Gehorsam und Verschwiegenheit geloben sie ihm. Und endlich ist der ersehnte Tag gekommen: Alles gelingt, wie Armin es vorbereitet hat. Die große Entscheidungsschlacht wird geschlagen. An diesem Tage bricht die Römerherrschaft in Deutschland zusammen.
So schildert ein altes deutsches Schulgeschichtsbuch die größte Heldentat des Cheruskerfürsten und Germanenkönigs Armin: Im lahre 9 nach der Zeitenwende, wohl im September und im Teutoburger Walde, bezwingt er - an der Spitze seiner Germanenheere kämpfend - Varus mit 25 000 römischen Besatzern, eine Elitetruppe der antiken Supermacht.
Noch nie seit dem Aufstieg zum Weltreich ist Rom so vernichtend geschlagen worden. »Das Reich, das vor dem Ozean nicht haltmachte, ist am Rheinstrom zum Stehen gekommen«, teilt der römische Schriftsteller Florus der Nachwelt mit. Armin ist es, der Mitteleuropa vor dem Schicksal bewahrt, zur Kolonie Roms abzusinken. Er schafft vor allem die Grundlagen, daß sich Volk und Staat der Deutschen entwickeln können.
Den Römern gelingt es in den folgenden harten Kämpfen nicht, die Scharte auszuwetzen. In vorderster Front fechtend, schlägt Armin mit seinen Germanen die Truppen des Imperiums zurück. Mehrfach wird der Germanenführer schwer verwundet, so auf dem Feld Idistaviso nahe der Porta Westfalica.
Armin entstammt einem vornehmen Cherusker-Geschlecht. Als Vertreter seines Germanenstammes, der Vorfahren von Westfalen und Niedersachsen, kommt er als Jüngling nach Rom. Er wird dort Ritter, ohne sich jedoch vom Imperium betören zu lassen. Nachrichten aus der Heimat am Weserstrand empören ihn:
Der aus dem Orient nach Germanien entsandte Statthalter Varus plündert dort Land und Volk brutal aus. Armin kehrt im Jahre 7 nach der Zeitenwende heim und beginnt mit todesverachtendem Mute, den Widerstand zu organisieren.
Sechs Jahre nach dem Triumph im Teutoburger Walde fällt Armins Gemahlin Thusnelda in römische Hand. Der Germanenführer wird sie nicht wiedersehen. Und seinen in Gefangenschaft geborenen Sohn bekommt Armin nie zu Gesichte. Die Spuren seiner Gemahlin und seines Sohnes verlieren sich im Dunkel der Geschichte.
Im Jahre 17 besiegt Armin den Markomannen Marbod, seinen größten germanischen Widersacher. Der Weg zum Großgermanischen Reich scheint eröffnet. Doch wird der Cherusker bald darauf Opfer inneren Zwistes. Er fällt durch Mörderhand.
Es scheint, daß der mächtige Führer und Feldherr im deutschen Mythos die Gestalt von Siegfried dem Drachentöter angenommen hat. Im 16. Jahrhundert erinnert man sich in Deutschland seiner wieder. Luther schreibt: »Ich hab in von hertzen lib.« In folgender Zeit wird Armin poetisch zu Hermann der Cherusker und der welthistorische Entscheidungskampf des Jahres 9 n.Chr. zur Hermannsschlacht. Die bekanntesten Dichtungen zur Hermannsschlacht geben Klopstock, Heinrich von Kleist, Grabbe. Die gewaltige Erscheinung des Armin wird auch durch das im 19. Jahrhundert erbaute Hermannsdenkmal des Ernst von Bändel auf der Grotenburg im Teutoburger Wald gewürdigt. Auf dem Sockel befindet sich eine Inschrift aus den Annalen des Römers Tacitus:
»Arminius, ohne Zweifel der Befreier Germaniens, er, der nicht wie andere Könige und Heerführer vor ihm das römische Volk in seinen schwachen Anfängen herausforderte, sondern zu einer Zeit, als das Reich in der Blüte seiner Macht stand, er, in Schlachten wechselnd glücklich, im Kriege unbesiegt, 37 Jahre währte sein Leben, 12 Jahre seine Herrschaft, und das Heldenlied von ihm erschallt noch heute bei den Völkern der Barbaren.«
Mit folgenden Worten gedachte Ernst Moritz Arndt des Großartigen: »An der Schlacht im Teutoburger Walde hing das Schicksal der Welt, darum ist Hermann Weltmann geworden. Er ist nicht bloß etwas Poetisches für uns, etwas bloß durch das graue Altertum und den Wahn der wachsenden Zeitlänge Geheiligtes. Nein, er ist etwas Ewiges und Wirkliches, weil wir noch durch ihn sind, weil ohne ihn vielleicht seit sechzehnhundert Jahren hier kein Deutsch mehr gesprochen sein würde.« |
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