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ANTON VAN LEEUWENHOEK und das einfache Mikroskop. Lebensdaten: 1632 - 1723. Leeuwenhoek gilt traditionell als einer der großen technischen Wegbereiter in der Naturwissenschaft. Das Mikroskop hatte er nicht erfunden, doch war er der erste, der es mit großer Geschicklichkeit zu handhaben verstand und zur genauen Beobachtung und Beschreibung einsetzte. Er war von geringer Herkunft und dürftiger Bildung - sein Briefwechsel mit der britischen Royal Society mußte erst aus seinem Holländisch übersetzt werden -, seine Leistungen allerdings sind, im nachhinein betrachtet, einzigartig und von erstaunlicher Vielfalt. Er gilt nicht nur als Begründer der Mikrobiologie, sondern leistete Beiträge zur Embryologie, Kristallographie und Chemie. Manche seiner Beobachtungen waren so präzise, daß sie noch zwei Jahrhunderte später von der wissenschaftlichen Forschung herangezogen wurden. »Es gibt«, schreibt Brian J. Ford, »was die Breite und Tiefe der Interessen anbelangt, kaum jemanden, der Leeuwenhoek gleichkommt.« Mit einem einfachen Mikroskop gelangte er zu bemerkenswerten Ergebnissen, und die Komplexität der Natur gewann - durch seine Augen gesehen - neue Dimensionen. Anton van Leeuwenhoek wurde am 24. Oktober 1632 als Sohn von Philips Antonyszoon van Leeuwenhoek und seiner Frau Margaretha Bel van den Berch in Delft in der Vereinigten Niederlanden geboren. Sein Vater, ein Korbmacher, starb, als Leeuwenhoek sechs Jahre alt war, worauf hin seine Mutter den Maler Jacob Molijn heiratete. Nach. einfacher Ausbildung begann Leeuwenhoek im Alter vor sechzehn Jahren eine Tuchhändlerlehre und eröffnete naclderen Beendigung in Delft sein eigenes Geschäft. Neben sei ner Handelstätigkeit wurde ihm, noch keine dreißig Jahre alt, die Stelle als Hausmeister des Amtsrichters von Delf übertragen, später wurde er städtischer Aufseher über die Gewichte und Maße. Er war mit dem großen Maler Jar Vermeer bekannt und nach dessen Tod als Verwalter seine: Nachlasses eingesetzt. Leeuwenhoeks wissenschaftliche Kar riere begann erst, als er vierzig Jahre alt war, und dauerte fast fünfzig Jahre. Das Mikroskop wurde etwa um 1590, etwas früher ali das Teleskop erfunden. Aber anders als das Teleskop wurde es in der wissenschaftlichen Praxis zunächst kaum ein gesetzt. 1660 entdeckte MARCELLO MALPIGHI in eine: Froschlunge Kapillaren und untermauerte damit WILLIAN HARVEYS Entdeckung des Blutkreislaufs. Und 1665 ver öffentlichte Robert Hooke seine Micrographia. Mit einen selbstentwickelten Okularmikroskop schuf er detaillierte Beschreibungen vom Aufbau der Insekten und Pflanzer und prägte beim Betrachten dünner Korkstreifen das Wori Zelle. Diese Entdeckungen erklären, warum Leeuwenhoek in Wissenschaftskreisen wohlgesonnen aufgenommen wurde. der Ruf, den er sich erwarb, basierte auf der Qualität und dem Umfang seiner Beobachtungen, seinen technischen Fähigkeiten und seinem intuitiven Verständnis wissenschaftlicher Methoden. 1673 schickte Leeuwenhoek der Royal Society in London seinen ersten Brief. Darin beschrieb er einen Schimmelpilz, den Stachel einer Biene und eine Laus. Der Brief wurde kurz darauf in den Philosophical Transactions veröffentlicht, und in den nächsten fünfzig Jahren sollten 164 weitere Briefe folgen. Leeuwenhoek schrieb in seiner Muttersprache, einen geradlinigen, verständlichen Stil, und behandelte eine Vielzahl von Organismen. 1676 bezeichnete er die Protozoen, die er in Regenwasser gefunden hatte, als »kleine animakules« - »die ekelhaftestes Kreaturen, die ich jemals gesehen habe; denn wenn ... sie auf die Teilchen oder kleinen Fasern stoßen (von denen viele im Wasser sind, vor allem wenn es einige Tage gestanden hat), dann bleiben sie darin stecken; und dann ziehen sie ihren Körper zu einem Oval in die Länge und winden und strecken sich, um ihren Schwanz loszubekommen; wobei ihr ganzer Körper zum Ansatz ihres Schwanzes zurückschnellt und ihr Schwanz sich wie eine Schlange aufdreht und so wie ein Kupfer- oder Eisendraht, den man um einen runden Stecken wickelt und dann wieder abnimmt, seine Windungen behält.« »Animalcules« - Leeuwenhoeks generische Bezeichnung für die lebenden Organismen, die er unter dem Mikroskop betrachtete - fand er auch auf den Zähnen seines Nachbarn und in seinen eigenen Fäkalien, die er sorgfältig untersuchte, wenn sie »lockerer als sonst« waren. 1683 fertigte er seine erste Zeichnung eines Bakteriums an, hatte aber keine Vorstellung von ihrer Funktion. Viele seiner Entdeckungen konnten erst mit der Weiterentwicklung der Wissenschaften besser verstanden werden Er beobachtete Hefebakterien, konnte aber die Fermentation nicht erklären. Seine vergleichenden Untersuchungen mit Sperma führten ihn zu einer »Animalcule«-Theorie der Fortpflanzung, die wenig zur Embryologie beitrug. Aber gerade Leeuwenhoeks Scheu, über das, was er beobachtete, hinauszugehen, gehört zu seinen großen Verdiensten; der Wert seiner Beobachtungen liegt in ihnen selbst, ohne daß er ihnen ausgefeilte Theorien auflastete. Historisch gesehen entbehrt es jeglicher Plausibilität, wollte man annehmen, er hätte in Bakterien Krankheitserreger erkennen können oder daß die Eizelle mehr als nur den Fötus ernährt. Aber er zeigte, daß Getreidekäfer nicht in Getreidekörnern entstehen, sondern aus Eiern schlüpfen, die fliegende Insekten abgelegt hatten. Und er stand der Spontanzeugung ablehnend gegenüber -eine Ansicht, die sich erst zwei Jahrhunderte später als richtig herausstellte. Leeuwenhoek benützte kein Okularmikroskop mit zwei oder mehreren Linsen, sondern ein einfaches Mikroskop mit nur einer Linse, die er selber schliff. Sein einfachster Apparat bestand aus einer glatten Messingplatte, in der die Linse saß, dazu eine zugeschliffene Schraube, die das Präparat hielt und zum Fokussieren verwendet wurde. Leeuwenhoeks bemerkenswerte Ergebnisse wurden im 20. Jahrhundert in Brian J. Fords faszinierendem Single Lens: The Story of the Simple Microscope nachgezeichnet. Ford untersuchte Leeuwenhoeks Originalpräparate, von denen viele sorgfältig aufbewahrt wurden, und kam zu dem Schluß, daß so- wohl der Wissenschaftler selbst wie auch seine Instrumente als außergewöhnlich zu bezeichnen seien. Wenn Leeuwenhoek eine wissenschaftliche Schwäche nachgesagt werden kann, dann war es die Heimlichtuerei, mit der er seine Methoden vor anderen verbarg. Als sein Ansehen wuchs, besuchten ihn Gelehrte und Adelige, aber er wurde oft ungeduldig mit ihnen und hatte Angst, sie würden ihm seine Instrumente stehlen. 1698 besuchte ihn der russische Zar Peter der Große, und Leeuwenhoek zeigte ihm die Zirkulation im Schwanz eines Aals. »Das erfreute den Prinzen so sehr«, schrieb Leeuwenhoeks Freund und erster Biograph Gerard van Loon, »daß er darüber und anderen Betrachtungen nicht weniger als zwei Stunden verbrachte und zum Abschied Leeuwenhoek die Hand schüttelte und ihm seine besondere Dankbarkeit versicherte, daß er ihn so ungemein kleine Dinge habe sehen lassen.« 1680 wurde Leeuwenhoek einstimmig in die englische Royal Society aufgenommen, was ihn außerordentlich freute, später wurde er auch Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften. Er war zweimal verheiratet (beide Male starben seine Ehefrauen), und erreichte das stattliche Alter von neunzig Jahren. Leeuwenhoek starb am 26. August 1723. |
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