Personenlexikon  
Namenssuche & Volltextsuche:        
   A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z   #   

 

 

ALEXANDER VON HUMBOLDT

 
     
  (1769 -1859)

Wir haben Mühe, dürres Holz zu finden, um die Feuer anzuzünden, mit denen nach der Landessitte jedes Biwak wegen der Angriffe des Jaguars umgeben wird. Mehrere Krokodile nähern sich dem Ufer. Wildes Tiergeschrei durchtobt den Forst. Es ist das einförmig jammernde Geheul der Brüllaffen, der winselnde, fein flötende Ton der kleinen Sapajous (Rollschwanzaffen), das schnarrende Murren des gestreiften Nachtaffen, das abgesetzte Geschrei des Jaguars. Bisweilen kommt das Geschrei des amerikanischen Tigers von der Höhe eines Baumes herab. Es ist dann stets von den klagenden Pfeiftönen der Affen begleitet, die der ungewohnten Nachstellung zu entgehen suchen.

Aus Alexander von Humboldts Beschreibung seiner wagemutigen, halsbrecheri-sehen, gefahrvollen Expedition »ans Ende der Welt«, in kaum oder gar gänzlich unerforschte Gebiete der gewaltigen Ströme Orinoko und Amazonas. Zu Beginn des Unternehmens hat er geschrieben: »Der Mensch muß das Gute und Große wollen. Das Übrige hängt vom Schicksal ab.«

Alexander von Humboldt, einer der bedeutendsten Naturforscher die je lebten, den der Berliner Volksmund »Alexander der Große« nennt und den Zeitgenossen als »Fürsten der Wissenschaften« feiern, wird am 14. September 1769 in Berlin als zweiter Sohn eines junggeadelten preußischen Majors geboren. Sein Bruder Wilhelm wirkt, nicht minder genial, als preußischer Politiker und Sprachwissenschaftler.

Mit dem Forschungsreisenden Georg Forster unternimmt der junge Alexander von Humboldt erste Expeditionen, um sich dann am 5. Juni 1799 mit seinem treuen Gefährten, dem französischen Arzt und Botaniker Bonpland, zur großen abenteuerlichen Reise in den Süden Amerikas aufzumachen - mit Einverständnis der spanischen Krone, die über den größten Teil des Subkontinents gebietet.

Im Februar 1800 bricht das Gespann von Caracas aus ins Landesinnere auf. »Wahrscheinlich kehre ich nicht lebendig zurück«, schreibt Humboldt. Ende März beginnt die weltberühmte, drei Monate währende Stromfahrt mit dem Kanu. Bei dieser Fahrt gelingt Humboldt u.a. der sensationelle Nachweis einer direkten Verbindung zwischen den Flußsystemen des Orinoko und des Amazonas.

Ohne wichtige Medikamente, ohne Verbindung zur Außenwelt, ohne alle Versorgungsmöglichkeiten hat die Expedition reißende Stromschnellen zu überwinden, mit Giftpfeilen bewehrten fremdenfeindlichen Indianern zu entgehen, sich vor Krokodilen, nicht minder gefräßigen großen Raubkatzen und giftigem Getier aller Art zu hüten. Einbaumfahrten in moskitoverseuchten Flußläufen sind zu bestehen, tobende Wasserfälle zu überwinden. Man nimmt die Nächte, um der alltäglichen Gluthitze zu entgehen. Besonders grauenhaft wird die Flußfahrt auf dem Rio Magdalena: Acht von 20 Ruderern, die Humboldt angeheuert hat, bleiben auf der Strecke. Wie durch ein Wunder übersteht der Fürst der Wissenschaften alle Strapazen und Gefahren ohne ernsthafte Erkrankung. Mitten in tosenden Stromschnellen - Krokodile am Ufer, Piranhas auf der Lauer - gesteht Humboldt seinen entsetzten Begleitern, daß er Nichtschwimmer ist.

Unter urzuständlichen Bedingungen legt die Expedition 3000 Kilometer zurück. Eine Gedächtnisexpedition 150 Jahre später und modern ausgerüstet konnte nur mühevoll Humboldts Spuren folgen. Sie brauchte nahezu die gleiche Zeit wie der Pionier.

Maßstäbe setzt Humboldt auch mit der Besteigung gewaltiger Vulkane. Den Chim-borazo bezwingt er, normal bekleidet, bis auf eine Höhe von 5759 Meter; ein Höhenweltrekord, der 20 Jahre Bestand hat. Der Chimborazo gilt zu dieser Zeit als der höchste Berg der Welt.

1804 nach Europa zurückgekehrt, tritt Humboldt als Universalgenie auf den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Gebieten bahnbrechend in Erscheinung. 1829 unternimmt er im Auftrage des russischen Kaisers eine Expedition nach dem Ural, dem Altai, der Dsungarei und dem Kaspisee. Er stirbt hochbetagt am 6. Mai 1859 in Berlin.

Nach dem Fürsten der Wissenschaften sind Akademien, Stiftungen, Gebirgsmassi-ve, Gletscher, Flüsse sowie eine der gewaltigsten Meeresströmungen benannt. »Was für ein Mann!« rief Goethe aus. Immer von neuem versetze Humboldt ihn in Erstaunen. Er habe an Kenntnis und lebendigem Wissen nicht seinesgleichen. Und aus der Feder Simon Bolivars heißt es:

»Alexander von Humboldt, der Entdecker der Neuen Welt, dessen Studium Amerika Besseres gegeben hat als alle Konquistadoren.«
 
 

 

 

 
 
Diese Seite als Bookmark speichern :
 
 

 

 

 
 
<< vorhergehender Begriff
 
nächster Begriff >>
ALEXANDER FLEMING
 
ALFRED BINET
 
     

 

Weitere Begriffe : LUISE VON PREUSSEN | MAX BORN | EMIL KRAEPELIN
Home |  Neuen Artikel hinzufügen |  Your List |  Tools |  Become an Editor |  Tell a Friend |  Links |  Awards |  Testimonials |  Press |  News |  About
Copyright ©2008 PERSONENLEXIKON4U LLC. All rights reserved.  Terms of Use  |  Privacy Policy  |  Contact Us    



filtered