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ULRICH VON HUTTEN

 
     
  (1488 -1523)

Meist hart’ er’s mit den Pfaffen- wie war die Kutte schwach! Doch Rittern auch in Waffen mit Ehren bot er Schach; sah Fürsten in die Karte, trumpft’ ab und stach genug; in allem Dinge beharrte er treulich bei dem Spruch: Jacta est alea! Ich hab’s gewagt. Drum haben die Obskuren und Argen ihn gehaßt. Sie folgten seinen Spuren, verhetzten ihm die Rast. Sie hätten gern geknechtet den frei’sten Mann im Land! Er aber floh, geächtet, und grollte noch verbannt: Jacta est alea! Ich hab’s gewagt.

Mit markigen Strichen zeichnet Ferdinand Freiligrath in diesem Gedicht Charakter und Leben des Reichsritters Ulrich von Hütten, der mit Feder und Schwert für die Freiheit des Menschen und die Kraft des Reiches gefochten hat.

Die Feuerseele kommt am 21. April 1488 auf Burg Steckelberg bei Schlüchtern nahe der Rhön als Ritterssohn zur Welt. Daß man ihn zum geistlichen Amt bestimmt hat, martert den ungestümen jungen Mann. Er entspringt mit 17 Jahren noch rechtzeitig aus Klostermauern, durchwandert Deutschland und Italien, studiert an verschiedenen Orten und knüpft Kontakt zu den Humanisten, für deren Ideale er entflammt.

Als in einer Schenke zu Viterbo bei Rom fünf Höflinge des Franzosenkönigs das Deutsche Reich und Kaiser Max, den letzten Ritter, verhöhnen, zieht Hütten blank und vertrimmt sie nach Strich und Faden. 1513 kämpft er in Italien als Landsknecht des Kaisers.

Hütten zieht mit seiner Dichtkunst viele in den Bann. »Sein Zaubermund fesselt mich«, schwärmt der Humanist Desiderius Erasmus von Rotterdam. Auf dem Augsburger Reichstag 1517 wird Hütten vom Kaiser Max zum Ritter geschlagen und zum Dichter, poeta laureatus, gekrönt. Constanze Peutinger setzt ihm den Lorbeerkranz auf.

Zunächst manchmal, ab 1520 vorwiegend, schreibt Hütten - umwälzend für seine Zeit - in deutscher Sprache. Er bekennt:

»Latein ich vor geschrieben hab’, das war einem jeden nit bekannt; jetzt schrey ich an das Vaterland, teutsch Nation, in ihrer sprach, zu bringen diesen Dingen Räch’.«

Hütten wirft sich jenen Mächtigen entgegen, die Volk und Reich ausplündern und knebeln. »Nimm den Strick, Barbarei, mach dich auf Verbannung gefaßt!« bricht es aus ihm heraus. In den Dunkelmännerbriefen ergreift er Partei für Reuchlin, geißelt insbesondere Übergriffe der Kurie. Er ist in vorderster Linie am Sturz des Tyrannen Ulrich von Württemberg beteiligt. Er hilft bei der Entlarvung des Betrugs von der Konstantinischen Schenkung, einem Gipfel päpstlicher Anmaßung.

Hütten wirft dem Papst und dessen römischem Hof den Fehdehandschuh hin, da die Entartungen der Kirchenführung besonders für Deutschland unerträglich geworden sind. Er wolle den »tückischen Päpstlern« zeigen, »daß es unter den barbarischen Deutschen auch Verstand und mehr Mut gibt, als sie sich träumen lassen«. Vor allem empört ihn die Ausplünderung Deutschlands durch Rom im Namen einer ideologischen Wertegemeinschaft. »Brandpfeile des Nationalhasses wider die Unterdrückung durch die römischen Freiheitsmörder« schießt er ab. Dabei vergißt er nie die Pflicht gegenüber Reich und Abendland: Er ruft zur entschlossenen und gemeinsamen Abwehr der Türkengefahr auf.

1521 treibt es Hütten, der von einem erneuerten, starken, dem zweiten Deutschen Reich träumt, zu weit. Er führt seinen verwegenen »Pfaffenkrieg« gegen die Geistlichkeit und antwortet auf Unrecht im Stile des Raubritters. Er wird in Acht und Bann geschlagen, sucht Zuflucht auf der Ebernburg seines Freundes Sickingen, zieht weiter zu Erasmus von Rotterdam, der ihn verleugnet, und findet schließlich, stets von seinen Häschern mit dem Tode bedroht, bei Zwingli Asyl. Am 29. August 1523 stirbt der Verbannte auf der Insel Ufenau im Züricher See.

»Rettet die bedrängte Freiheit! Wagt es keiner, mir beizuspringen? Ist kein wahrhaft Freier da? Keiner, der nach Tugend strebt? das Gute liebt? den Trug haßt? das Recht in Ehren hält? den Frevel verabscheut? Mit einem Wort: ist kein echter Deutscher da?«

So eindringlich hat Ritter Hütten seine Zeitgenossen gefragt und die nachfolgenden Generationen gemahnt.
 
 

 

 

 
 
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