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(1450 -1535)
Zum drittenmal erschallt des Meisters Drommetenzeichen. Hoch flattert die blaue Fahne mit dem Antlitz der Jungfrau, rasselnd dringen die Ordensherren Pferd an Pferd gegen den Feind vor. Das Schwert des Meisters blitzt hoch auf; ein kurzer Befehl, die Reiterschar kommt in Bewegung. Ein dröhnender Kampf von Roß zu Roß hebt an, Tosen und Klirren, donnernder Hufeschlag und tobendes Geschrei. Hin und her wogt von Sattel zu Sattel der Streit. Hoch weht das Bild der Mütterlichen, die besten Kämpen stürzen drum herum und geben das Leben. Der Meister selbst führt ein furchtbares Schwert, er hieb sich die Gasse, durch die seine Männer folgen. Er ficht allen voran. Langsam müssen die Russen weichen.
Nach der Erzählung »Wolter von Plettenberg - Deutschordensmeister in Livland« von Hans Friedrich Blunck. Geschildert wird die Entscheidungsschlacht, die 1502 am Smolinasee bei Pleskau wütet. Plettenberg wirft mit seinen Recken das vielfach überlegene russisch-tatarische Heer nieder und bewahrt das Deutschordensland auf fast zwei Menschenalter vor weiteren Überfällen aus dem Osten.
Wolter, geboren wohl 1450 in Meyerich/Westfalen, entstammt dem bekannten westfälischen Geschlecht mit dem gleichnamigen Stammhaus, heute der Stadt Plettenberg an der Lenne im Sauerland. Es hatte dem Deutschen Ritterorden schon zuvor einige tapfere Männer gestellt und blüht in späteren Jahrhunderten im Reichsfreiherren- und Reichsgrafenstand.
Der junge Plettenberg wächst in Narwa auf, legt das Ordensgelübde ab und steigt rasch von Stufe zu Stufe. Ein Chronist jener Zeit über Wolters Aufstieg:
»Bedenedt de empter von jung up, alse dar sin backmeister, schenke, kokkenmeister, ander cumpan, cumpan, hus cumpter, cumpter, beth he tho dem meisterdome quam.«
Zuletzt ist er Landmarschall, also Kriegsminister, des Ordens gewesen, bevor er am 7. Juli 1494 vom livländischen Ordenskapitel einstimmig zum Meister gewählt wird. Nun führt er das zum Deutschen Reich gehörende Livland (entspricht in etwa dem Gebiete des heutigen Lettland und Estland) in schwierigster Zeit, ist es doch umgeben von drei beutehungrigen Großmächten: Polen-Litauen, Schweden und Rußland.
Schon als Vogt in Rossitten (1482-1488) an der Grenze zum Russenreich hatte er tapfer gegen den grimmen Feind gefochten. Jetzt, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, sucht er die Entscheidung. Am 13. September 1502 trifft sein Ritter-, Landsknechtsund Bauernheer am See Smolina auf die vielfach stärkeren Russen. Unter Pletten-bergs, des Erzbischofs Michael von Riga und Landmarschalls Plater Führung wird der glänzende Sieg erfochten, den man wie ein Wunder ansieht. Eine Niederlage aber hätte des Ordens Untergang, wohl nicht nur in Livland, bedeutet.
Wolter schließt Frieden mit Rußland, der 1509, 1521, 1531 verlängert wird. Nun erlebt Livland unter seiner weisen Herrschaft eine außerordentliche Blüte in Wirtschaft, Wissenschaften und Künsten. Große Künstler suchen die Nähe des Retters des Ordenslandes. 1522 wirkt Albrecht Dürer in Riga, der Hauptstadt. Allein im engeren Livland, ohne die kur- und estländischen Teile, blühen sechzig Städte. Der Wohlstand des Landes wird in Chroniken und in Reiseberichten mit Worten geschildert, die heute ungläubiges Staunen hervorrufen.
Plettenberg schließt sich der Reformation nicht an, lehnt auch eine Verweltlichung seines Ordenslandes nach preußischem Muster ab. Er wird dem Deutschmeister unterstellt, erreicht aber die Reichsunmittelbarkeit des livländischen Ordens. Den auf dem Landtag von Wolmar 1526 angebotenen Herzogshut nimmt er nicht an. Auf dem Augsburger Reichstag 1530 erhebt ihn der deutsche Kaiser in den Reichsfürstenstand.
Nach mehr als vier Jahrzehnten in den Sielen seines schweren Amtes naht des Ordensmeisters Todesstunde. Winno von Löwenstern schreibt:
»Der gewaltige Mann stirbt am 28. Februar 1535, aufrecht in seinem Stuhle in der Kapelle der Ordensburg Wenden sitzend, umgürtet mit seinem Schwerte, tapfer, wie er gelebt hat.«
Aus jenen fernen Zeiten klingt das Heldenlied des Wolter von Plettenberg zu den Heutigen. In der Walhalla, dem deutschen Ruhmestempel bei Regensburg, steht seine von Schwanthaler geschaffene Büste. |
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