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WALTER NOWOTNY

 
     
  (1920 -1944)

Walter Nowotny, unser Gegner vom Himmel über der Normandie und über Deutschland, ist gefallen. Wir sprechen von ihm ohne Groll und Haß. Jeder ruft in einem Ton der Achtung, ja beinahe der Zuneigung die Erinnerungen wieder herauf, die wir mit ihm verbinden. Wir grüßen einen tapferen Feind, den das Schicksal ereilt hat, erklären Nowotny zu einem der Unseren, der teil hatte an unserer Welt, in der weder Ideologien noch Haß noch Grenzen zählen. Er hat die Ehre der deutschen Nation über alle Himmel Europas getragen.

Worte des höchstausgezeichneten französischen Ritters der Lüfte im Zweiten ^V^ Weltkrieg, Pierre Clostermann, über einen Mann, der - weil er vor allem am Nordabschnitt der Ostfront, am Wolchow, die Sowjets das Fürchten lehrte - als »Tiger von Wolchowstroj« oder auch - seiner landsmannschaftlichen Herkunft wegen - als »das Fliegerwunder aus Österreich« in die Annalen deutschen Heldentums eingegangen ist: Walter Nowotny.

Er stammt aus Gmünd in Niederösterreich, wo er am 7. Dezember 1920 geboren wird. Als Bub schon für den Sport begeistert, pilgert er 1936 zu den Olympischen Spielen in Berlin, die ihn völlig in den Bann schlagen. Nowotny wird ein über seine engere Heimat hinaus erfolgreicher Leichtathlet und Schwimmer.

Am 1. Oktober 1939 tritt er in die Deutsche Luftwaffe ein; vorausgegangen ist der Anschluß Österreichs ans Deutsche Reich, den Nowotnys Familie als Erfüllung nationaler Sehnsucht empfand - wie Millionen andere auch.

Im Februar 1941 kommt Nowotny zur Jagdwaffe. Die ersten Abschüsse erzielt er am 19. Juli des Jahres über der Insel Ösel. Er bezwingt drei sowjetische Maschinen, wird aber dann selbst über der Ostsee abgeschossen. Drei Tage und Nächte lang arbeitet er sich im Schlauchboot, nur mit den Händen paddelnd, wieder an die Küste. Mehrfach wird er bei seinen wagemutigen Einsätzen dem Totengräber nur um Haaresbreite von der Schippe springen.

Nowotnys eigentlicher Aufstieg beginnt im Juni 1943, als er binnen Monatsfrist 41 Gegner abschießt; im August des Jahres sind es sogar 49; am 1. September zehn an einem Tag!

Am 14. Oktober 1943 steht er mit 250 Abschüssen, die er als erster Jagdflieger der Welt erreicht, einsam an der Spitze. Daß er dies in lediglich 442 Feindflügen geschafft hat, bleibt für alle Zeiten einmalig. Nicht minder einzigartig, daß ihm die drei höchsten Tapferkeitsauszeichnungen binnen nur fünf Wochen verliehen werden: Am 4. September 1943 wird er mit dem Eichenlaub, am 22. September mit den Schwertern und am 19. Oktober 1943 mit den Brillanten ausgezeichnet.

Ab 21. August 1943 führt Nowotny die 1. Gruppe des Jagdgeschwaders 54 als Kommandeur, und am 15. November 1943 erringt er seinen letzten Luftsieg an der Ostfront. Zu seinem Verdruß wird er auf Führerbefehl aus dem Kampfgeschehen gezogen. Er übernimmt im Februar 1944 als Kommandeur das Schulgeschwader 101 in Frankreich und wird Anfang Juli 1944 Führer des Erprobungskommandos, mit dem die Eignung des Düsenflugzeuges Me 262 als Jagdmaschine getestet wird.

Am 26. September 1944 ist Walter Nowotny Führer eines nach ihm benannten Kommandos, des ersten mit Düsenjägern ausgestatteten Jagdgeschwaders, das sich zur Rettung der deutschen Frauen und Kinder vor dem Bombenholocaust den westalliierten Viermotorigen entgegenwirft. Angesichts der Pflicht, die vielen Unschuldigen vor dem grausamen Feuersturm zu bewahren, schreibt Nowotny zwei Tage vor seinem Tode an die Eltern:

»Ein Hundsfott, wer jetzt die Flinte ins Korn werfen will. Es gibt nur noch eines: Bestehen und die Treue halten, mag kommen, was da will.«

Am 8. November 1944 ereilt den »Tiger« beim Einsatz gegen Viermots in der Reichsverteidigung der Fliegertod. Er stürzt über dem niedersächsischen Epe bei Bramsche zu Tode.

Insgesamt hat Walter Nowotny 258 verbürgte Luftsiege errungen (sowie 22 weitere unbestätigte). Auf seinem Ehrengrab im Wiener Zentralfriedhof steht das Wort aus der Edda: »Ewig ist der Toten Tatenruhm.«
 
 

 

 

 
 
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