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(1796 -1849)
Auf dem angewiesenen Platze steht der edle Mann mit über die Brust gekreuzten Armen, mit verklärtem Blicke gegen Himmel schauend - ein Anblick, der selbst bei seinen Feinden Achtung und Bewunderung hervorruft. Da erschallt das schreckliche »Feuer!« und in kurzen Zwischenräumen aufeinanderfolgend fallen drei Schüsse. Der erste trifft den rechten Oberarm, den Roth sogleich sinken läßt, ohne im übrigen seine Stellung nur im geringsten zu verändern. Der zweite Schuß trifft die linke Seite in der Lendengegend. Jetzt sinkt Roth auf die Knie und bedeckt mit der linken Hand die Wunde und in dem Augenblicke fährt die dritte Kugel durch das teure Haupt, und da liegt der große und geliebte Mann seines Volkes
in seinem Blute. Lautlose Stille herrscht, nachdem das Opfer gefallen, bei der unabsehbaren Volksmenge. Da tritt der kommandierende Hauptmann, hingerissen von der Größe des Augenblicks, von der Seelengröße des gefallenen Mannes, vor und ruft mit bebender Stimme: »Soldaten, lernt von diesem Manne, wie man für sein Volk stirbt!«
mit diesen Worten schildert Pfarrer Georg Hintz, Augenzeuge des Geschehens, das Heldensterben von Stephan Ludwig Roth, des Führers der Siebenbürger Sachsen. Es ist der 11. Mai 1849 in der Zitadelle von Klausenburg. Ein Märtyrer hat für die Sache des Deutschtums sein Leben gelassen.
Geboren wird Roth am 24. November 1796 in Mediasch als Sohn eines protestantischen Lehrers und Pfarrers. Er ist Nachkomme schon lang in Siebenbürgen beheimateter deutscher Kolonistengeschlechter. Mitte des 12. Jahrhunderts waren Deutsche, gerufen von Ungarnkönigen, ins Land gekommen. Sie wurden Siebenbürger Sachsen genannt, obwohl sie meist vom Niederrhein und aus Mitteldeutschland stammten, denn der Deutsche gilt den Völkern dort unten allgemein als »Sachse«. Die Deutschen, im 18. Jahrhundert verstärkt durch österreichische Protestanten, ließen das Land nach den Verheerungen durch Mongolen und Türken wieder erblühen. Ein Sachsengraf mit Sitz in ihrer Hauptstadt Hermannstadt (Geburtsort auch des Vaters der Weltraumfahrt, Hermann Oberth) garantierte ab 1224 den Siebenbürger Deutschen ein recht hohes Maß an Selbstbestimmung.
Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts brechen schwerste Zeiten für das Deutschtum in Siebenbürgen an: Ungarische Kräfte wollen die absolute Herrschaft und Madjarisie-rung des ganzen Landes unter radikaler Zurückdrängung deutschen, aber auch rumänischen Volkstums. Dagegen begehrt der Lehrer und Pfarrer Stephan Ludwig Roth mutig auf.
Er hat in Tübingen Theologie studiert und ab 1818 als Lehrer unter dem großen Pestalozzi in der Schweiz gewirkt; dort verfaßt er das pädagogische Grundlagenwerk »Der Sprachunterricht«. 1820 kommt Roth in die siebenbürgische Heimat zurück. Er wird Lehrer am Gymnasium zu Mediasch, 1831 Rektor daselbst. Ab 1834 wirkt er als Pfarrer in seiner Geburtsstadt, 1837 in Nimesch, ab 1847 in Meschen.
Roth ist unermüdlich. Er entwirft Pläne zur Rettung des bedrohten Bauernstandes, zur Modernisierung und Verbesserung des Volksschulwesens, verfaßt eine großangelegte »Geschichte von Siebenbürgen«. Vor allem aber bewegt den vom Volk verehrten Führer der Siebenbürger Sachsen der Erhalt des Deutschtums in seiner Heimat. Er organisiert die Anwerbung württembergischer Auswanderer - was sollen sie in Amerika jenseits des Ozeans, wo doch hier im Einzugsgebiet der Donau deutsche Menschen so dringend gebraucht werden! Und er tritt mit etlichen Schriften für die Bewahrung des Deutschtums ein, organisiert die Volkstumsbewegung. Ohne daß er Haß oder Feindschaft gegen die Ungarn predigen würde. So nimmt er denn auch ein ungarisches Findelkind bei sich, seiner Frau und seinen Kindern auf.
Wild entschlossenen Ungarn ist der Mann verhaßt, und als er sich in den blutigen Unruhen des Herbst 1848 dem von Wien entsandten kaiserlichen General Puchner für die Zivilverwaltung zur Verfügung stellt, kommt Roth als angeblicher »Todfeind des Ungarntums« auf die schwarze Liste.
Die radikalmadjarischen Kräfte obsiegen fürs erste. Trotz offiziell gewährter Sicherheitsgarantie läßt der ungarische Regierungskommissär Csany (er wird später am Galgen enden) Roth von einem Reitertrupp gefangennehmen, in Eisen legen, nach Klausenburg schleppen, standrechtlich aburteilen und erschießen.
Roth-Forscher Otto Folberth: »Sein Kampf galt der gewaltsamen Revolution ebenso wie dem reaktionären Staat, dem liberalistischen Bürgertum genauso wie dem Standesdünkel des Adels, der nationalen Vergewaltigung genauso wie der völkischen Gleichgültigkeit und Lauheit. Roth versuchte, die Verständigung der Völker untereinander anzubahnen bei Zuer-kennung der nationalen Ehre eines jeden von ihnen.« |
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