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(1870 -1964)
Staunenswert ist, wie die Deutschen^ in der Höllenglut des Klimas, in der bazillengeschwängerten Urwaldluft gegen unsere Übermacht bestehen. Was wir Woche um Woche leiden, ehe eine neue Truppenablösung uns aus dem afrikanischen Fegefeuer befreit, das leiden die Deutschen ohne Pause, ohne Erholung Jahr um Jahr, und doch haben wir sie mit unseren insgesamt 300 000 Soldaten nicht kleingekriegt. Wir schätzten die Deutschen Ende 1917 auf 1700 Europäer, 3000 Askaris, 3000 Träger. Ein kleines Häuflein Feinde trotzte uns Jahr und Tag und bot uns mit der Waffe in der Hand bei jeder Gelegenheit-die Stirn. Auf Grund des Waffenstillstandes, den die deutsche Regierung mit uns in Europa geschlossen hat, legen sie die Waffen unter Protest nieder. Wir sehen den deutschen General und seine Soldaten nun von Angesicht zu Angesicht. Es ist kaum einer unter ihnen, der nicht krank, elend und abgemagert aussieht, aber alle gehen sie aufrecht und stolz. Sie haben Ungeheures geleistet. Wir , müssen es anerkennen.
Diese Worte eines Offiziers der Feindseite gelten General Paul von Lettow-Vorbeck und seinen Männern, die im Ersten Weltkrieg, völlig abgeschnitten von der Heimat und gegen eine gewaltige Übermacht, vier Jahre lang in Deutsch-Ostafrika unbesiegt durchgehalten haben. Treu dem Wahlspruch des Generals: »Über allem das Vaterland!«
Paul von Lettow-Vorbeck kommt am 20. März 1870 in Saarlouis (Saarlautem) als Sohn eines preußischen Offiziers aus altem pommerschen Adel zur Welt. Nach Teilnahme am internationalen Einsatz gegen den Boxeraufstand dient er als Hauptmann der deutschen Schutztruppe in Südwestafrika. Beim Gefecht bei Duurdrift leistet er trotz schwerer Verwundung Widerstand bis zum erfolgreichen Ende des Kampfes.
Im Dezember 1913 erhält er den Auftrag, die Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika zu führen. Sein Ziel ist es nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, möglichst viele Truppen des Feindes zur Entlastung der Heimat in Afrika zu binden, was ihm - dem Meister der Improvisation und der Tarnung - glänzend gelingt. Einer hundertfachen feindlichen Übermacht, befehligt von 140 Generalen, gelingt es nicht, Paul von Lettow-Vorbeck, der an sich selbst die härtesten Anforderungen stellt, und seine winzige Truppe zu bezwingen.
Der Feind zollt Hochachtung: Der Oberbefehlshaber der britischen Truppen, General Smuts, läßt seinem Widersacher eine Nachricht zukommen, daß ihm im fernen Deutschland der Pour le Merite mit Eichenlaub verliehen worden ist und gratuliert dazu.
Beispielhaft sei die Schlacht bei Tanga im November 1914 erwähnt: Lettow-Vorbeck siegt mit 1000 Mann gegen 8000 Briten und Inder, die unter dem Schutz von Panzerkreuzern landen wollen. Den gefangenen Feinden gibt Lettow gegen das Ehrenwort, nicht mehr am Krieg gegen Deutschland teilzunehmen, die Freiheit wieder.
Wesentlich für den erfolgreichen Widerstand des Helden von Deutsch-Ostafrika ist auch das vorbildliche Verhältnis zwischen der deutschen Kerntruppe und ihren eingeborenen Negersoldaten, den Askaris. Nach der Waffenstreckung sagt ein Aska-ri-Unteroffizier:
»Wir werden unseren Volksstämmen erzählen, daß die Deutschen in diesem Land nie besiegt worden sind. Wir wünschen, daß Ihr wiederkommt und daß das Land unter deutscher Regierung steht. Wir bitten Euch, uns nicht in englischer Hand zu lassen. Wir bleiben Euch treu, auch in dieser schweren Zeit. In englische Dienste gehen wir, die wir deutsche Soldaten gewesen sind, nicht.«
Unter unbeschreiblichem Jubel der Berliner zieht der unbesiegte General am 2. März 1919 mit seiner Truppe durch das Brandenburger Tor. Noch im selben Jahr ist er an der Rettung Deutschlands vor Bolschewisierung beteiligt: Er schlägt die Roten in Hamburg. 1928 wird er Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen. Drei seiner Söhne fallen im Zweiten Weltkrieg. Als der alte General 1953 Ostafrika besucht, bereiten ihm die Einheimischen einen begeisterten Empfang.
Am 9. März 1964 stirbt Paul von Lettow-Vorbeck 93jährig in Hamburg. Verteidigungsminister von Hassel sagt bei der Beisetzung:
»Als Grundlage der von ihm geprägten Kriegsführung galt unbestechliche Gerechtigkeit, galten Kampf und Ritterlichkeit dem Gegner gegenüber. Mit ihm tragen wir einen Mann zu Grabe, dessen Name bei Freund und Gegner mit größter Verehrung genannt wurde.« |
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