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(1676 -1747)
Als der Alte Dessauer gegen Mitte Dezember 1745 mit seinem Korps in Eilmärschen von Torgau auf Dresden rückt, um seinem preußischen Kriegsherrn Friedrich dem Großen beizuspringen, da hat er in einer mehr als fünfzigjährigen Dienstzeit bereits 22 große Feldschlachten und 27 Belagerungen in vorderster Linie hinter sich gebracht, ohne jemals ernstlich verwundet worden zu sein. Seine Grenadiere schwören darauf, der Alte sei kugelfest. Jetzt zieht er der 50. »Generalaffaire« entgegen, der letzten seines taten- und ruhmreichen Lebens, und als die Truppe bei Kesselsdorf aufmarschiert ist, reitet er vor die Front seiner 24 000 »wackeren Lumpenhunde« und spricht sein berühmt gewordenes Gebet: »Lieber Gott, steh mich heute gnädig bei! Oder willst Du nicht, so hilf wenigstens die Schurken, die Feinde nicht, sondern sieh zu, wie’s kömmt! Amen.«
Diese Worte von Hans Heyck über des Alten Dessauers letzten Einsatz als Feldherr - er siegt bei Kesselsdorf über Sachsen und Österreicher und sichert damit Friedrich dem Großen Schlesien - gelten einem grimmigen Haudegen, der unter drei Königen (Friedrich L, dem Soldatenkönig und Friedrich dem Großen) die Armee Preußens zum neidvoll bewunderten Vorbild Europas gemacht hat und der trotz seiner Rauheit in Volk und Heer beliebt gewesen ist.
Leopold I. von Anhalt-Dessau kommt am 3. Juli 1676 in Dessau als Sohn des Fürsten Johann Georg IL und dessen Gemahlin, einer Prinzessin von Oranien, zur Welt. Er stammt väterlicherseits aus dem Geschlecht der Askanier, dessen berühmtester Sproß, Albrecht der Bär, der Gründer Brandenburgs ist. Aus dem recht ungebunden aufwachsenden Leopold wird der urwüchsige Kriegsmann, der Erfinder der militärischen Disziplin im strengen Sinne, der Gleichschritt, eisernen Ladestock und vernichtendes Schnellfeuer einführt und dessen auf unglaubliche Exaktheit und Geschlossenheit gedrilltes Regiment Alt-Dohna zur Keimzelle der modernen preußischen Armee wird.
1693 steht Leopold als Oberst in brandenburgischen Diensten. Unter dem Reichsmarschall Prinz Eugen erntet er im Spanischen Erbfolgekrieg erste Lorbeeren. Er schlägt sein Leben in die Schanze für die Sache des Reiches - bei Höchstädt-Blind-heim, bei Malplaquet, bei Donauwörth usw. In der mörderischen Schlacht bei Cassano in Oberitalien beweist er außergewöhnliche Tapferkeit, ja Todesverachtung und hat hervorragenden Anteil am großen Sieg bei Turin.
Er gewinnt das Vertrauen und die enge Freundschaft des Soldatenkönigs, wird 1712 zum Feldmarschall ernannt. Als Erstürmer der Insel Rügen und Sieger von Stralsund macht er sich im Nordischen Krieg gegen die Schweden verdient.
Unter Friedrich IL, den er als Kronprinz in die Kriegskunst eingeführt hat, schwindet der Einfluß des Alten Dessauer, da der junge König sein eigener Feldherr sein will. Doch noch einmal erstrahlt der alte Kriegsruhm des fast siebzigjährigen Leopold in der eingangs erwähnten Schlacht bei Kesselsdorf, westlich von Dresden, mit dem glänzend erfochtenen Entscheidungssieg.
Nicht nur die preußische Armee ist ganz wesentlich das Werk des Alten Dessauer; unter dem Soldatenkönig wirkt er auch maßgeblich an der Neuordnung der inneren Staatsverwaltung Preußens mit. Nach seinem Abschied aus dem Heeresdienst widmet sich Leopold nur noch der Wohlfahrt seines kleinen Landes, das er seit 1698 regiert. Er hat Eibdämme und neue Dörfer angelegt und sich als gestrenger, aber gerechter Monarch’erwiesen. Seine Gemahlin, die Apothekerstochter Anna Luise Föhse, die eine beliebte Landesmutter ist und Leopold zehn Kinder schenkt, weiß seinen Jähzorn zu zähmen.
1745, im Jahr von Kesselsdorf, wird der Alte Dessauer durch den Tod seiner innigst geliebten Frau gebeugt. Am 9. April 1747 stirbt er in seiner Landeshauptstadt.
Wie eine flatternde Standarte aber schwingt und klingt über Leopolds Soldatenleben der »Dessauer Marsch« (»So leben wir, so leben wir...«), den er vom Kampfe aus Italien mitgebracht hat, 1705 zu seinem Leibmarsch erkiest und der noch heute mit schmetternden Trompeten vom Heldenmut des Alten Dessauers kündet. |
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