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HEINZ-WOLFGANG SCHNAUFER

 
     
  (1922 -1950)

Wieder einmal zieht der Bomberstrom über Belgien hinweg. Diesmal in Richtung Süddeutschland. Schnaufer schießt zwei, drei Bomber heraus, als sein Funker im Suchgerät eine Maschine ausmachen kann, die sich aus der ersten Welle löst und vorausfliegt: der »Zeremonienmeister«, das Flugzeug des britischen Kommodore, der den Angriff leitet. Diese Führermaschine ist besonders ausgerüstet und wird von der besten Besatzung geflogen. Von ihr hängt in dieser Nacht das Schicksal Stuttgarts ab. Auf 150 Meter ist Schnaufer heran, da blendet gleißende Helligkeit seine Augen: Blitzbomben. Wieder schlägt ihm das rasende Feuer entgegen. Ein, zwei Sekunden fliegt Schnaufer mitten hinein, dann ist er heran: Im nächsten Augenblick zerplatzt das briti sehe Führerflugzeug, hart südwestlich Stuttgart.

Aus der dramatischen Schilderung »Nachtjäger Major Schnaufer« im Deutschen 1 I Soldatenjahrbuch 1972, verfaßt von Georg von Langsdorff. »Bestes fliegerisches Können, vorbildliche Taktik, kühnes Draufgängertum« bescheinigen Lenfeld/Thomas in »Die Eichenlaubträger« dem erfolgreichsten Nachtjäger der Welt. Die Tommies schicken im Kriege ganze Schwärme von »Moskitos« zur Jagd auf Schnaufer los und nennen ihn »The Midnight Ghost from St. Trond«, das Nachtgespenst von St. Trond. Im holländischen St. Trond lag das Hauptquartier der deutschen Nachtjäger, die sich mit Todesmut den britischen Holocaustbombern entgegenwarfen.

Als Sohn eines Ingenieurs und Kaufmanns wird Heinz-Wolfgang Schnaufer am 16. Februar 1922 in Calw im Nordschwarzwald geboren. Als lOjähriger rettet er beherzt seinen Bruder vor dem Ertrinken, als 17jähriger baut er mit Auszeichnung das Napola-Abitur, und Ende 1939 finden wir ihn bei der Luftwaffe.

Im Frühjahr 1942 wird Schnaufer Nachtjäger, und bald ist er der Schrecken der britischen Bomber, die auf Befehl Churchills, Lindemanns und des Schlächters Harris die deutschen Frauen und Kinder vernichten sollen. Fortan ist der junge Mann Nacht für Nacht am Feind. Der erste Nachtabschuß gelingt Schnaufer am 2. Juni 1942. Am 16. Dezember 1943 schießt er 4 Lancaster-Bomber binnen kurzer Frist ab, am 25. Mai 1944 erledigt er gleich 5 Lancaster innerhalb von nur 14 Minuten. Im November 1944 wird er Kommodore des Nachtjagdgeschwaders 4, und Ende des Jahres ist er mit 106 Nachtabschüssen der erfolgreichste Nachtjäger.

Am 21. Februar 1945 gelingt Schnaufer der zahlenmäßig größte Erfolg: In den ersten Stunden dieses Tages schießt er zwei Lancaster ab, und am Abend schickt er sieben weitere in nur 17 Minuten zu Boden. Zu Schnaufers Taktik gehört das Unterfliegen des Gegners: Von unten schießt er wie ein Pfeil auf die Bombermaschine zu und schießt in die Benzintanks.

Insgesamt 121 schwere Bomber, in der Mehrzahl viermotorige Lancaster und Boeings, holt er vom Nachthimmel; Abertausenden Frauen und Kindern hätten sie Tod und Verderben gebracht. Zu Schnaufers Erfolgen trägt das überragende Können seiner Besatzung bei: Bordfunker Rumpelhardt ist an 100 Abschüssen beteiligt, Bordschütze Gänsler an 98, Leutnant Dr. Baro an 12, Erich Handke an 5.

Am 31. Dezember 1943 wird Schnaufer mit dem Ritterkreuz, am 24. Juni 1944 mit dem Eichenlaub, am 30. Juli 1944 mit den Schwertern und am 16. Oktober 1944 -nach dem 100. Nachtabschuß - mit den Brillanten ausgezeichnet.

1945 gerät er in britische Gefangenschaft. In Verhören und Gesprächen mit Schnaufer bringen englische Offiziere ihr ungläubiges Staunen zum Ausdruck, wie denn ein einziger Jäger solch ungeheure Siege über die stark gesicherten und bewaffneten, nicht umsonst »Fliegende Festungen« genannten Bombermaschinen erringen konnte. Es sei doch anormal, daß ein einziger Mann in einer Nacht vier oder sechs Bomber abgeschossen habe - als kaum 23jähriger. Zeitweise hatten die Briten absurderweise vermutet, die Deutschen verfügten über eine »Wunderdroge«, die Männern wie Schnaufer verabreicht werde.

Der Ritter der Lüfte stirbt am 15. Juli 1950 nach einem unverschuldeten Autounfall bei Bordeaux. Die Engländer stellten nach 1945 seine Me 110 in den Hyde Park mit einem Hinweisschild auf den »erfolgreichsten Nachtjäger der Welt.« Im Londoner Kriegsmuseum befindet sich noch heute das Seitenleitwerk der Maschine Schnaufers mit den Abschußmarkierungen, und die Besucher ziehen staunend daran vorbei.
 
 

 

 

 
 
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