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(1834 -1885)
Diese Richtung einmal eingeschlagen, ist kein Halten mehr, und ich muß mit der Tasche am Äquator ankommen. Mit einem Worte, die Kamele sind gepackt, meine Diener warten. Du weißt, es war immer eine Lieblingsidee von mir, bevor ich Afrika verlasse, noch einige seiner Zentralgeheimnisse zu erlauschen. Diese unbekannten Regionen intriguieren mich schon lange, und ich muß wissen, was im Herzen des alten Kontinents ist. Glaube nicht zu früh, daß ich umgekommen bin, und wenn Du während 1869 nichts hörst, warte 1870 ab und denke, dass Livingstone nach unglaublicher Zeit wieder ans Licht kam. Wie gern möchte ich bei Euch sein. Doch jeder muß seinem Schicksal folgen!
Gustav Nachtigal wird am 23. Februar 1834 in Eichstedt bei Stendal als Sohn eines altmärkischen Landgeistlichen geboren. Als 24jähriger promoviert er in Greifswald, wird Militärarzt und begibt sich zum Kurieren einer Tbc nach Nordafrika.
Er bringt es zum Stabsarzt in der tunesischen Regentschaftstruppe und schließlich zum Leibarzt des Beys, nachdem ihm die Heilung eines schwererkrankten Sohnes des Herrschers gelungen ist. Mit Unterstützung des Forschungsreisenden Gerhard Rohlfs rüstet Nachtigal 1869 jene Expedition aus, die ihn in Gebiete der östlichen Sahara und des Sudan führt, die noch nie ein Europäer betreten hat.
Als Kurier des Königs von Preußen erreicht er mit seiner Karawane aus fünf Helfern und acht Kamelen nach fünf Wochen das libysche Mursuk. Unter unbeschreiblichen Anstrengungen - ständig in Lebensgefahr wegen räuberischer Stämme - überschreitet er die Tibesti, das bis dahin völlig unbekannte, bis zu 3415 Meter hoh der mittleren Sahara, und durchquert die Länder nordöstlich vom Tschadsee. Im Juli 1870 gelangt er nach Kuka, der Hauptstadt von Bornu. Von dort aus unternimmt er tollkühne Forscherzüge in die nördlich des Tschad gelegenen Gebiete Kanem, Manga, Edgei und Bodele bis Borku. Seine Erkenntnisse sind bahnbrechend. Im Schariflußge-biet gelangt Nachtigal weiter als sein Vorgänger Heinrich Barth. 1873 bricht er zur großen Wanderung gegen Osten zum Nil auf, die ihn durch das berüchtigte Wadai und Darfor nach Kordofan und bis Khartum am Zusammenfluß des Weißen und Blauen Nils führt. Erst diese Reise erschließt die Übergangsgebiete vom mittleren zum östlichen Sudan der Kenntnis des Abendlandes.
Wieder in Deutschland, wird Nachtigal Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung Zentralafrikas, tritt 1882 in den konsularischen Dienst des Reiches und geht in dieser Funktion zunächst nach Tunis zurück. Als »Reichskommissar für Westafrika« im Auftrage des Eisernen Kanzlers Bismarck stellt Nachtigal am 5. Juli 1884 durch Verträge mit den Oberhäuptern der Eingeborenen erst Togo, wenig später auch Kamerun unter den Schutz des Deutschen Reiches. Beide Gebiete galten in Europa als Niemandsland, und Nachtigal kommt mit seinen Maßnahmen den Engländern nur um Haaresbreite zuvor. Durch seine Tat erwirbt Deutschland auch diese Überseebesitzungen ohne militärische Gewalt, nur durch friedliche Mittel. Später gelingt Nachtigal die Erweiterung des deutschen Besitzes in Südwestafrika.
Die deutsche Inbesitznahme Togos und Kameruns entspricht auch dem Wunsche der Einheimischen, die auf keinen Fall unter die Herrschaft des britischen Empire geraten wollen. Sie wehren sich nach 1918 gegen die neuen englischen und französischen Kolonialherren und würdigen die deutsche Leistungen. Die Häuptlinge Kameruns ersuchen sogar 1933 beim Völkerbund um Rückkehr der Deutschen.
Gustav Nachtigal stirbt am 20. April 1885 vor Las Palmas an Bord des deutschen Schiffes »Möwe« am Tropenfieber. Begraben ist er in Kamerun.
Der Deutsche Reichsanzeiger widmete dem Afrikapionier der ersten Stunde in seinem Nachruf folgende ehrenden Worte:
»Der Name Nachtigals wird mit dem Beginn der Kolonialpolitik des Deutschen Reiches unzertrennlich verknüpft bleiben, und wie in den Jahrbüchern der Erforschung des Schwarzen Erdteils, dem die besten Kräfte seines Lebens gewidmet waren, so auch in denen der vaterländischen Geschichte ehrenvoll fortleben.« |
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