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FERDINAND VON SCHILL

 
     
  (1776 -1809)

O eine Eiche pflanzt auf diesen Hügeln, / die grünste sucht, soweit die Amsel ruft; / sie streue Schatten auf des Helden Graft, / und Lieder rausch’ in ihr des Windes Hügel. / Denn gleich dem Roß, das knirschet in die Zügel / und scharrt und stampfet, spürt es Morgenluft: / so wittert’ er zuerst der Freiheit Duft, / da alles schlief, und schwang sich in den Bügel. / Fürwahr, o Schill, du warst ein echter Reiter, / und schneller als die Zeiten rittst du gern, / mit dir wie Blitze deine blanken Streiter. / Dein Jagdhorn klang: »Der Tag ist nicht mehr fern!« / Da ging der Morgen auf, so rot und heiter; / doch unter gingst du, schöner Morgenstern.

So besingt Emanuel Geibel den Freikorpsführer Ferdinand von Schill. Der schlägt los gegen den fremden Imperialismus, als die deutschen Herrschenden noch devot die Nähe des welschen Diktators suchen. Schill ist der eigentliche Vorreiter des Befreiungskampfes.

Ferdinand von Schill wird am 6. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden geboren. Der Vater stammt aus dem Böhmischen und war einer der kühnsten Reiter seiner Zeit. Als 13jähriger tritt Ferdinand in das Grenadier-Garde-Bataillon zu Potsdam ein. Bei Auerstedt wird er als Dragonerleutnant schwer verwundet.

Der Feuerkopf mag sich dem Korsen nicht beugen. Mit königlicher Erlaubnis stellt er ein Freikorps auf und hält 1806/07 bei Kolberg den Feind durch waghalsige Aktionen in Schach. Der alte Nettelbeck über Schill:

»Ein Mann nach meinem Herzen, einfach und bescheiden; aber von echtem deutschen Schrot und Korn, und so brauchte es auch keiner langen Zeit, daß er mir ein volles Vertrauen abgewann.«

Nach dem Frieden zu Tilsit, dem brutalen Diktat Napoleons, findet der treue Husar keine Ruhe. 1808 entwickelt er in Königsberg den Kameraden vom Tugendbund, einer nationalfreiheitlichen Vereinigung, erste Pläne zur Befreiung Deutschlands. Im April des darauffolgenden Jahres schlägt er auf eigene Faust los, in der Hoffnung, einen allgemeinen Volksaufstand zu entfachen.

Mit bis zu 2000 Kämpfern ficht von Schill gegen die Weltmacht Frankreich und deren Imperator Napoleon. In seinem Aufruf an die Nation heißt es:

»Meine in den Ketten eines fremden Volkes schmachtenden Brüder! Der Augenblick ist erschienen, wo Ihr die Fesseln abwerfen könnt. Ermannet Euch, folgt meinem Winke, und wir sind, was wir ehemals waren! Zieht die Sturmglocken! Dieses schreckliche Zeichen des Brandes fache in Eurem Herzen die reine Flamme der Vaterlandsliebe an und sei für Eure Unterdrücker das Zeichen des Untergangs. Alles greife zu den Waffen!«

Zwar weckt Schills Pioniertat große Hoffnung im Lager der deutschen Patrioten, doch ist die Zeit noch nicht reif für die allgemeine nationale Revolution. Gleichwohl reagiert Napoleon nervös. Zur Ergreifung der »Banditen« um Schill setzt er ein hohes Kopfgeld aus.

Nach Erfolgen unter anderem bei Dodendorf und Damgarten zieht sich Schill, von der preußischen Obrigkeit wegen Eigenmächtigkeit scharf verurteilt, im Mai 1809 nach Norden zurück. Am 25. des Monats nimmt er im Handstreich die Festung Stralsund. Er will sich aber nicht auf englischen Schiffen absetzen. Nun bietet der Feind nicht weniger als 6000 Mann auf, um den Husarenmajor zu bezwingen. Es folgt der Sturm auf Stralsund unter Führung von General Gratien am 31. Mai 1809: Schill fällt im erbitterten Straßenkampf. »Er ist als braver Mann gestorben«, findet Blücher.

500 Mitkämpfer des Vorreiters des Befreiungskampfes kommen auf französische Todesgaleeren; nur wenige sehen die Heimat wieder. 11 seiner Offiziere werden auf die Festung Wesel gebracht und am 16. September 1809 auf den Lippewiesen erschossen. Sie bitten, mit offenen Augen die Todeswunde empfangen und selbst das Zeichen zur tödlichen Salve geben zu dürfen, umarmen sich noch einmal, machen sich Hals und Brust frei und lassen zu guter Letzt König und Preußen hochleben. Schinkel erbaut über ihren Gräbern das 1834 eingeweihte Denkmal mit der trauernden Borussia, dem Preußenaar und den Namen der Hingerichteten.

Die sterblichen Hüllen Schills und 14 anderer seiner erschossenen Gefährten werden im Denkmal zu Braunschweig-Ölper zur Ruhe gebettet, einem 1837 erbauten Obelisken mit Löwe, Schwert und Eisernem Kreuz als Sinnbild des Freiheitskampfes, den Schill als einer der ersten führte.
 
 

 

 

 
 
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