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(1899 -1982)
Zwei anscheinend friedliche Handelsschiffe begegnen sich 1940/41 irgendwo auf hoher See. Plötzlich steigt bei einem der beiden die deutsche Kriegsflagge am Mast empor, Tarnungen fallen und geben Geschütze frei, ein Warnschuß wird abgegeben, und es folgt das Kommando: »Halten Sie sofort an! Stellen Sie den Funkverkehr ein!« Werden diese Befehle nicht befolgt, so eröffnet der Schwere Hilfskreuzer »Atlantis«, der unter dem Kommando von Kapitän Bernhard Rogge die Weltmeere durchpflügt, das gezielte Feuer.
So beginnt der Zeitgeschichtler Heinz Rosch seinen unter fachkundiger Beratung von Dr. Ulrich Mohr, dem ehemaligen Adjutanten des berühmten Kaperschiffes, verfaßten Bericht »Schwerer Hilfskreuzer >Atlantis< auf Kaperfahrt«. Unter Kapitän Rogge ist die »Atlantis« im März 1940 zur mit Abstand längsten und abenteuerlichsten Kriegsfahrt aller deutschen Hilfskreuzer in See gestochen.
Bernhard Rogge kommt am 4. November 1899 in Schleswig zur Welt. Als 15jähriger tritt er in die Dienste der Kaiserlichen Marine, im Ersten Weltkrieg fährt er auf Kreuzern wider den Feind.
In der Zeit von 1936 bis 1939 befehligt Rogge - seit 1934 Korvettenkapitän - als Kommandeur deutsche Segelschulschiffe, zuerst die »Gorch Fock«, dann die »Albert Leo Schlageter«. Dieser gewiefte Seemann kommt der deutschen Seekriegsleitung in den Sinn, als sie Führer für besonders verwegene Aktionen sucht: In Anknüpfung an Erfolge einer »Emden« oder von Luckners »Seeadler« im Ersten Weltkrieg soll nun abermals der Kaperkrieg gegen den Feind geführt werden.
Rogge wird das Kommando über die »Atlantis« anvertraut, die vor ihrem Umbau zum Schweren Hilfskreuzer als »Goldenfels« für die Bremer Hansalinie gefahren ist. Ende März 1940 läuft Rogges Schiff zur längsten Seereise aus, die jemals in der Kriegsgeschichte von einem Hilfskreuzer zurückgelegt wurde. Sie währt 662 Seetage und führt über alle Weltmeere.
Rogge überwindet alle Gefahrenschwellen und hat am 7. April 1940 den feindlichen Blockadekordon durchbrochen. Nun wird die »Atlantis« im Atlantischen, im Indischen und schließlich auch im Pazifischen Ozean zum Schrecken der alliierten Schiffahrt. Mit blitzartiger Geschwindigkeit verwandelt sie sich in einen »Norweger«, »Schweden«, »Russen«, »Japaner«, »Holländer«, bis es für das Opfer kein Entrinnen mehr gibt und geentert wird. Dabei achtet Kapitän Rogge stets darauf, daß Besatzung und Passagiere der gekaperten Handelsschiffe geborgen und unbeschadet an Land gebracht werden. Für Frauen und Kinder, die sich an Bord gekaperter Schiffe befinden, hat er alle Vorsorgemaßnahmen getroffen.
Der Kaperkrieg trifft den Nerv des feindlichen Nachschubs, trägt zur Verunsicherung der Alliierten bei, bindet gegnerische Kräfte. Mitunter wird wertvollstes Geheimmaterial erbeutet. Von der aufgebrachten Tonnage her ist die »Pinguin« unter Kapitän Kräder (er fällt mit seinen Mannen am 8. Mai 1941 nördlich der Seychellen) am erfolgreichsten. Die spektakulärsten Aktionen allerdings gelingen Rogge mit seiner »Atlantis«.
Selbst die deutsche Seekriegsleitung hat über lange Phasen keinen Schimmer, wo Rogge gerade entert und kapert. Er wird mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet und bringt es während der 102 000 Seemeilen langen Fahrt auf 22 Handelsschiffe mit annähernd 150 000 BRT, die entweder versenkt oder als wertvolle Prisen in die Heimat geschickt werden.
Am 22. November 1941 wird die »Atlantis« vom britischen Kreuzer »Devonshire« gestellt. Rogge läßt sein Schiff, das gegen den feindlichen Giganten keine Chance hat, nach kurzem Gefecht versenken. Der Kapitän und seine Leute werden von einem deutschen U-Boot aufgefischt und gelangen nach zahlreichen todgefährlichen Abenteuern in die Heimat. Bis auf 11 Gefallene hat Rogge seine Besatzung heil zurückgebracht.
Der kühne Kaperfahrer dient im Zweiten Weltkrieg noch als Flaggoffizier, Befehlshaber von Ausbildungsstäben und Vizeadmiral (ab März 1945), danach als Konteradmiral und Befehlshaber im Wehrbereich I (Kiel) der Bundesmarine. Er stirbt am 29. Juni 1982 in Reinbek bei Hamburg. |
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